Moonwalk IX

Den Rücksturz der Apollo 11-Kapsel zum blauen Planeten begleitet heute im letzten Teil der Moonwalk-Serie ein langes Stück aus einer persisch-indischen Kollaboration. Drei Meister an Gesang, Spießgeige, Sitar und Perkussion loten die grenzüberschreitende Poesie der Ghazals aus, eine Gattung von Liebesgedichten, die aus dem Iran stammt und im Laufe der Jahrhunderte nach Nordindien hineingetragen wurde. „You Are My Moon“ kündet von dieser feinen Lyrik.

Ghazal (Indien/Iran): „You Are My Moon“
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Moonwalk VIII

Die Kapsel von Apollo 11 befindet sich mittlerweile auf dem Rückweg zur Erde. Während sie sich vom Mond entfernt, spielt das katalanisch-spanische Frauenquartett Las Migas („Die Krümel“) eine wunderbare Mondballade. In Barcelona haben sie Anfang des Jahrzehnts ihre Mischung aus Flamenco, iberischen Folkeinflüssen und Pop geprägt. Las Migas gibt es auch heute noch in veränderter Besetzung, die damalige Sängerin Sílvia Pérez Cruz, die auf diesem Blog schon mehrfach zu Gast war, hat einen fulminanten Solopfad eingeschlagen.

Las Migas feat. Sílvia Pérez Cruz (Katalonien/Spanien): „Perdonamé Luna“
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Moonwalk VII

Die arabische Liedkunst ist voll von Mondliedern. Allein die Libanesin Fairouz, eine der großen Diven der Levante, dürfte es in ihrem Repertoire auf eine ganze Handvoll von romantischen Chansons auf das Gestirn bringen. 1957 haben die Brüder Assi und Mansour Rahbani ihrer Muse eines der schönsten auf den Leib geschrieben – und das im Rhythmus eines kubanischen Cha Cha Cha. „Wir und der Mond sind Nachbarn“, heißt es da, „sein Haus ist hinter den Hügeln, und er kommt heraus, um den Melodien zu lauschen.“

Fairuz (Libanon): „Nahna Oul Amar Jirane“
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Moonwalk VI

„Als wir von der Mondoberfläche nach oben blickten, sahen wir über uns den Planeten Erde. Er war sehr klein, aber er war sehr schön. Er sah aus wie eine Oase im Weltall. Wir hielten es in diesem Moment für sehr wichtig, dass wir und die Menschen überall auf der Welt diesen Planeten erhalten. Als eine Oase, an der wir uns alle gemeinsam für alle Zeiten erfreuen können.“ (Neil Armstrong)

Der guineische Saxophonist Momo Wandel Soumah, einer der großen Musiker seines Landes, spielt zum heutigen Mondspaziergang von Neil Armstrong und Buzz Aldrin eine Serenade, mit der er 1992 die Mondschein-Stimmung im Hügelland von Foula Djallon, Zentralguinea aufgefangen hat.

Momo Wandel Soumah (Guinea) „Midje“
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Moonwalk V

In dieser Nacht vor 50 Jahren setzte die Landefähre Eagle im Mare Tranquilitatis auf. Ziemlich genau 450 Jahre, nachdem Fernando Magellan die Passage durch die Spitze Südamerikas gefunden hatte und mit seinen Schiffen in den Pazifik, später als „Meer der Stille“ benannt, hineinsteuerte, geriet der steinerne Spiegel dieses Ozeans ins Blickfeld der Menschheit. Die britische Progrock-Band Barclay James Harvest hat 1977 der „Sea of Tranquility“ eine nachdenkliche Hymne über die Eroberung fremder Welten gewidmet, die sich sowohl auf die Navigatoren der Weltmeere als auch auf die Astro- und Kosmonauten beziehen lässt:

„Wir steuerten unser Schiff ins Meer der allumfassenden Stille
nur der Klang unserer Stimme begleitete uns,
fasziniert von den Sternen flogen wir dahin, voll der Hoffnung,
dass die Lieder, die wir singen und die Worte, die wir bringen,
nie sterben würden.

Wir richteten unseren Blick auf das Meer der allumfassenden Ruhe
Unser zweckloser Flug täuschte uns darüber hinweg
wie armselig wir doch sind, verglichen mit einem Stern.
Und das Ziel, dieser karge, steinerne Strand,
war viel zu weit entfernt.

Gestern leuchteten unsere Lieder über den Ruhm,
jedes war ein Traum über Zeitalter hinweg.
Wir verkauften unsere Seelen für sinnlosen Gewinn
und brachten unsere Ernte vergeblich nach Hause.“

Barclay James Harvest (UK): „Sea Of Tranquility“
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Moonwalk IV

Himmelskörpern hat er im Laufe seiner Karriere mehrere Canções gewidmet, die bekannteste ist sicherlich seine Hymne auf den blauen Planeten, „Terra“. An Zärtlichkeit steht dieses Mondlied aus der Feder des wohl größten MPB-Sängers seinem Erdengesang nicht nach, obwohl es mit der unruhigen Percussion und der glimmenden Orgel gleichzeitig einen typisch experimentellen Flickenteppich-Charakter hat, wie ihn die Tropikalisten liebten. „Lua Lua Lua Lua“ stammt aus Caetano Velosos Album Jóia von 1975, eine intensive, höchst kreative Schaffensphase für ihn auf dem Höhepunkt der brasilianischen Militärdiktatur.

Caetano Veloso (Brasilien): „Lua Lua Lua Lua“
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Moonwalk III

Alena Murang ist eine Musikerin und kulturelle Aktivistin aus dem malayischen Sarawak im Nordwesten der Insel Borneo. Murang hat Vorfahren im Volk der Kelabit und hat sich zum Ziel gesetzt, deren Erbe lebendig zu halten. Eines ihrer Instrumente ist die Sape-Laute, auf der sie hier ein Nachtlied singt. Der Mond bescheint diese Szenerie, bei der Freunde zusammenkommen, und in der zweiten Hälfte wird auf die Verletzlichkeit der Natur aufmerksam gemacht, die allen gehört. Alena Murang gehört außerdem dem Kollektiv Small Island Big Song an, über das es hier demnächst einen ausführlichen Eintrag geben wird.

Alena Murang (Malaysia): „Pemung Jae“
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Moonwalk II

Teil 2 der Mond-Serie führt uns nach Finnland. Dort wird ein Tango getanzt, der so gänzlich verschieden ist von dem in Argentinien – doch der Mond, der dort den klingenden Namen „kuu“ trägt,  ist immer wieder gerne Thema, sogar überproportional oft. Was ein wenig wundert, denn die Mondscheinnächte sind ja zumindest während einiger Wochen durch die Mitternachtssonne eliminiert. Der König des finnischen Tangogesangs ist Olavi Virta, der hier – mehr im Schlager- als im Tango-Setting – davon singt, dass der silberne Mond in einer Sehnsuchtsnacht eine Brücke zum Meer baut.

Olavi Virta (Finnland): „Hopeinen Kuu“
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Moonwalk I

Heute vor 50 Jahren hob die Trägerrrakete Saturn V ab, um erstmals Menschen auf den Mond zu bringen.

Der von Neil Armstrong vorhergesagte „big leap for mankind“ ist leider ausgeblieben, mit jedem Schritt vorwärts sind wir als Menschheit wieder viele kleine Schritte zurückgegangen.

Ich nehme die neuntägige Apollo 11-Mission zum Anlass, die Perspektive von den „global players“ abzuwenden, hin zu Denjenigen, die den Erdtrabanten mit ihrer poetischen Kraft geehrt haben. Jeden Tag bis zum 24. Juli gibt es ein neues Mondlied.

Den Anfang macht heute, am Tag einer partiellen Mondfinsternis über Deutschland, die spanische Sängerin äquatorialguineischer Herkunft: Concha Buika. 2009 hat sie mit dem kubanischen Pianisten Chucho Valdés ein Album mit melancholischen mexikanischen Liedern zu Ehren der Diva Chavela Vargas aufgenommen. „Luz De Luna“ stammt aus der Feder des Komponisten Alvaro Carrillo: „Ich möchte Mondlicht haben“, heißt es in den Versen, “ für meine traurigen Nächte, damit ich in göttlicher Weise die Illusion spüren kann, die du mir genommen hast.“

Concha Buika & Chucho Valdes (Spanien/Kuba): „Luz De Luna“
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Listenreich I: 20 Songs & Tunes für 2018

47soul (Palästina/Jordanien/Israel/USA/UK): „Gamar“
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Carminho (Portugal): „A Mulher Vento“
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Fatoumata Diawara (Mali): „Nterini“
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Fainschmitz (Österreich): „Delphine zählen“
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Die Feuersteins (Deutschland): „Trinklied vom Abgang“
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Great Lake Swimmers (Kanada): „The Talking Wind“
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Guy One (Ghana): „Bangere Tomme“
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Glen Hansard (Irland): „Time Will Be The Healer“
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Vardan Hovanissian & Emre Gültekin (Armenien/Türkei): „Vard Siredsi“
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Sophie Hunger (Schweiz): „I Opened A Bar“
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M3nsa feat. Amaarae (Ghana): „SDI“
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Medeiros / Lucas (Azoren): „Galgar“
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Ayça Miraç (Deutschland/Türkei/Lasistan): „E Aisye“
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Ed Motta (Brasilien): „The Tiki’s Broken There“
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John Smith (England): „Hummingbird“
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Talisk (Schottland): „Montreal“
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Vaudou Game (Togo/Frankreich): „Tata Fatiguée“
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Villagers (Irland): „Sweet Saviour“
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Dina El Wedidi (Ägypten): „Bzogh Elamar“
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Yad-e Doust Ensemble (Iran): „رابط صفحة القناة على الفايسبوك „
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