Aeolisches Finale

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Wenn eine Halle nach dem Windgott Aiolos benannt wird, sollte darin auch ein besonderer musikalischer Geist wehen. In London, Ontario ist das der Fall: Schöne Architektur, das netteste Veranstalter-Team, das man sich denken kann (Sunfest), der beste Sound und eine hervorragende Band.

Von links nach rechts nach dem Konzert: Cedric Dind-Lavoie (b, p), der Blogbetreiber mit frisch erworbenem Vinyl, Pietro Amato (french horn), Alejandra Ribera (voc, g) und Jean-Sebastién Williams (g). Dieses wunderbare Ensemble (ohne Amato) ist ab 21.3. in Deutschland zu erleben.
Dorthin geht es jetzt zurück, sofern der Koffer über die 25cm Neuschnee gewuchtet werden kann. Adieu au Canada!

aeolian hall 160317

Schatzkiste #30: Melodramatik à la Montréalaise

antoine corriveau - cette choseAntoine Corriveau
Cette Chose Qui Cognait Au Creux De Sa Poitrine Sans Voulour S’Arrêter
(Coyote Records)

Allein schon der Titel! (“dieses Ding, das da in seiner Brusthöhle hämmerte ohne aufhören zu wollen”). Der 31-Jährige Franko-Kanadier mag zwar ein wenig aussehen wie Bob Geldof, musikalisch ist er aber eher an der Kreuzung zwischen Benjamin Biolay und Nick Cave zu finden. Ein opulentes Opus mit verzweifelter Streichergrandezza, Platz für Piano-Lyrizismen und satte Mauern aus verschleppten, tiefen Blechbläsern. Dazu eine verlebte, abgründige Stimme, die die Melancholie langer kanadischer Winter in sich trägt, aber sicherlich auch von der verwandten französischen Romantik profitiert. Ein Fin-de-Siécle-Album mitten im jungen 21. Jahrhundert.

Auch dieses Album habe ich bei Aux 33 Tours in Montréal entdeckt, zusammen mit Soundscapes in Toronto der schönste Ort für einen Mélomane in Kanada.

aux 33 tours

Antoine Corriveau: “Rendez-Vous”
Quelle: youtube

Schatzkiste #29: Yorkville remembered

joni mitchell - cloudsJoni Mitchell
Clouds
(Reprise, 1969)

Als ich heute kurz vor einem Schneesturm bei minus 10 Grad (der kanadische März…) durch Yorkville streifte, das ehemalige Hippie-Viertel Torontos, konnte ich mir kaum mehr vorstellen, was sich dort in den 1960ern abgespielt haben muss. Die Gegend ist gentrifiziert bis gesichtslos, viele der ehemaligen Clubs sind abgerissen. Doch das Gebäude des legendären Riverboat, 134 Avenue Road steht noch:

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHier haben zwischen 1964 und 1978 Richie Havens, Simon & Garfunkel, Gordon Lightfoot und auch Joni Mitchell gespielt, von Joni wird gesagt, hier habe sie “Night In The City” geschrieben und ihren Hit “Both Sides Now” erstmals einem Publikum vorgestellt. Ehrensache also, dass ich ihr zweites Album, auf dem sich diese erhabene Folkhymne befindet, aus Kanada mitbringe, auch wenn ich es nicht in der Ontario-Metropole, sondern im großartig sortierten Aux 33 Tours in Montréal gefunden habe.

Joni Mitchell: “Both Sides Now”
Quelle: youtube

Tor-onto-genese I

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOh, I dream of starships, starships and the void
The faces of the prophets’ history destroyed
But I will live forever, of this I am sure.
I’ll bury my lovers, I am the cure.
My body is wider and stronger than collapsing buildings.

The sound of engines, oh, I am a wound unhealing.

(Owen Pallett -
aus “Songs from an Island”, uraufgeführt am 8.3.2017 in der Roy Thomson Hall
)

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alle Fotos © Stefan Franzen

Kapitale Impressionen

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Meine Reise durchs Land der Viefalt geht bei bis zu -24 Grad weiter – und für alle, die sich wundern mögen, warum auf dieser sonst so musikalischen Seite nur Bilder zu sehen sind: Die Klangeindrücke und Interviews, die ich geführt habe, brauchen Zeit um verarbeitet zu werden und kommen demnächst in einer Serie namens “Canada 150″ zum Zuge.
Doch dieser weltberühmte Pianist soll jetzt schon mal gewürdigt werden:

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Papierboote im Schnee

alejandra ribera - carry me
“Carry Me” ist die erste Single aus dem neuen Album This Island von Alejandra Ribera – heute erscheint sie in Deutschland. Die kleine Geschichte um das Verlassen der Heimat und das erneute Finden von Geborgenheit hat die Kanadierin mit der Videokünstlerin Kristina Wagenbauer im Winter von Montréal in einen bewegenden Videoclip verpackt.

Alejandra Ribera: “Carry Me”
Quelle: vimeo

Alejandra Ribera ist in Kürze auf Tour in Deutschland:

21.03.2017 Berlin, Grüner Salon – 22.03. Münster, Schnabulenz – 23.03. Lauenau, Clubhaus – 24.03. Wawern, Synagoge – 25.03. Freiburg, Jazzhaus – 26.03. Landsberg, Stadttheater – 28.03. Wien, Sargfabrik – 19. + 20.05. Flensburg, folkbaltica – 21.05. Bernau, Siebenklang-Festival – 22.05. Hamburg, Nochtspecher Club – 23.05. Oldenburg, Theater – 24.05. Köln, Studio –
25.05. Hannover, Pavillon – 26.05. Erlangen, E-Werk – 27.05. Offenbach, Hafen 2

Erik, der Weltenbähnler

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Erik West Millette hat wohl alle transkontinentalen Bahnstrecken dieser Welt bereist. Was ihn aber aus den Tausenden von Trainspottern heraushebt: Der Montréaler Musiker verarbeitet die auf seinen Trips gesammelten Sounds zu grandioser Musik zwischen New Orleans-Flair, Soul und Blues, Arabesken und Industrial-Anklängen. Und ganz nebenbei fertigt er mit seinem West Trainz-Team Skulpturen aus allem, was er im Umfeld der Bahnstrecken so findet. Demnächst gibt es in der Kolumne Side tracks auf diesem Blog mehr von Erik.

Vielen Dank, Erik, für ein fulminantes Konzert im Club Soda und einen wunderbaren Interviewnachmittag in deinem Laboratorium! Die oben abgebildete Skulptur hat Erik “Gretschen” genannt…;-)

Erik West Millette: “Lining Tracks”
Quelle: youtube