Listenreich: 2015

Die Jahresabrechnung.

Wie immer: Viel Spaß beim affirmativen Nicken und verständnislosen Kopfschütteln.

Und einen guten Rutsch!

ALBEN

jahresalben 2015
1. Alejandra Ribera (CDN/ARG/SCO): La Boca (Jazz Village/Harmonia Mundi)
2. Africa Express (Mali/UK/Various): In C Mali (Transgressive Records/Membran)
3. The Polyversal Souls (Ghana/D/Various): Invisible Joy (Philophon/Groove Attack)
4. Steen Rasmussen Quinteto (DK/BRA): Presença (Stunt Records/in-akustik)
5. Sophie Hunger (CH):  Supermoon (Caroline/Universal)
6. Rhiannon Giddens (USA): Tomorrow Is My Turn (Nonesuch/Warner)
7. Pat Thomas & The Kwashibu Area Band (Ghana/D): Pat Thomas & The Kwashibu Area Band (Strut/Indigo)
8. Blick Bassy (Kamerun): Akö (No Format/Indigo)
9. Irit Dekel & Eldad Zitrin (ISR): Last Of Songs (Pinorekk/Edel)
10. Eska (Simbabwe/UK): Eska (Naim/Indigo)
11. Melody Gardot (USA): Currency Of Man (Decca/Universal)
12. Benjamin Clementine (GB): At Least For Now (Caroline/Universal)
13. Dani & Deborah Gurgel Quarteto (BRA): Garra (Berthold Records/Harmonia Mundi)
14. Smockey (Burkina Faso): Pre’volution (Outhere/Indigo)
15. Matthias Loibner (A): Lichtungen (Traumton/Indigo)
16. Criolo (BRA): Convoque Seu Buda (Sterns/Alive)
17. Björk (IS): Vulnicura (Embassy Of Music/Warner)
18. Lisa Simone (USA): All Is Well (Laborie/Edel)
19. Bachar Mar-Khalifé (LBN/F): Ya Balad (Infine/Rough Trade)
20. Renaud Garcia-Fons & Derya Türkan (F/TK): Silk Moon (E-Motive/Galileo)
21. Jeff Lynne’s ELO (GB): Alone In The Universe (Sony)
22. Vieux Farka Touré & Julia Easterlin (Mali/USA): Touristes (Six Degrees/Exil)
23. Tigran Hamasyan & Yerevan State Chamber Choir (ARM): Luys I Liso (ECM)
24. Cassandra Wilson (USA): Coming Forth By Day (Columbia/Sony)
25. Biolay – Fiszman – Benarrosh (F): Trenet (Barclay/Universal)
26. Sacri Cuori (I): Delone (Glitterbeat/Indigo)
27. The Gurdjieff Ensemble (ARM): Komitas  (ECM)
28. Oum (MAR): Soul Of Morocco (Galileo)
29. Carminho (P): Canto (Parlophone/Warner)
30. Cristobal & The Sea (E/P/F/GB): Sugar Pack (City Slang/Universal)

SONGS DES JAHRES

jahressongs 2015
1. „I Want“ (Alejandra Ribera)
2. „Spaghetti mit Spinat“ (Sophie Hunger)
3. „Black Lake“ (Björk)
4. „The People And I“ (Benjamin Clementine)
5. „St. Augustine“ (Alejandra Ribera)
6.  „Courage“ (Villagers)
7. „Angel City“ (Rhiannon Giddens)
8. „Presença“ (Steen Rasmussen Quinteto)
9. „Taragalte“ (Oum)
10. „Child In Me“ (Lisa Simone)

KONZERTE

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1. Tony Allen & Mâalem Mohamed Koyou, Place Moulay Hassan, Essaouira, 15.5.
2. Sophie Hunger, Marktplatz Lörrach, 13.7.
3. Orlando Julius & The Heliocentrics, Kaserne Basel, 5.2.
4. Steve Gadd, Volkshaus Basel, 20.10.
5. Harald Haugaard & Helene Blum, Klausenbauernhof Wolfach, 21.3.
6. Oloid, Volkshaus Basel, 25.4.
7. Ballaké Sissoko & L’Art Royal de la Kora, Dar Adiyel, Fès, 25.5.
8. D’Angelo, Kaufleuten Zürich, 11.2.
9. Ivan Lins & SWR Big Band, Burghof Lörrach, 2.7.
10. Björk, Zitadelle Berlin-Spandau, 2.8.

FILME

jahresfilme 2015
1. Das Ewige Leben (Wolfgang Murnberger, Österreich/Deutschland)
2. No Land’s Song (Ayat Najafi, Iran)
3. Loin Des Hommes (David Oelhoffen, Frankreich)
4. Meister Des Todes (Daniel Harrich, Deutschland)
5. Atlantic (Jan-Willem van Ewijk, Marokko/Niederlande)
6. Señor Kaplan (Àlvaro Brechner, Uruguay)
7. Taxi Teheran (Jafar Panahi, Iran)
8. Selma (Ava DuVernay, USA)
9. The Martian (Ridley Scott, Großbritannien)
10. Bach In Brasil (Ansgar Ahlers, Deutschland/Brasilien)

BÜCHER

(im Gegensatz zu Tonträgern genieße ich bei Geschriebenem den Komfort, dass ich mich nicht um Aktuelles kümmern muss. Deshalb rutschen Klassiker und Wiedergelesenes hier ebenbürtig rein. Das gilt m.E. auch für die Filme.)

FICTION

jahresbuecher 2015
1. Saphia Azzedine (Marokko/Frankreich): Bilqiss (Éditions Stock)
2. Elias Canetti (Großbritannien): Die Stimmen von Marrakesch (SZ Bibliothek)
3. Jonathan Franzen (USA): Freiheit
4. Driss Chraibi (Marokko): Ermittlungen im Landesinnern (Lenos Collection)
5. Amin Maalouf (Libanon): Der Geograph des Papstes (Insel)

NON-FICTION

1. Various: Seismographic Sounds: Visions Of A New World (Hrsg. Theresa Beyer/Thomas Burkhalter, Norient Books)
2. Manuel Negwer: Villa-Lobos – Der Aufbruch in der brasilianischen Musik (Schott)
3. Wolfgang Korn: Schienen für den Sultan (Komet)
4. Dieter Ringli / Johannes Rühl: Die Neue Volksmusik (Chronos)
5. Aaron Cohen: Amazing Grace (continuum)
6. Klaus Biesenbach u.a.: Björk Archives (Schirmer-Mosel)
7. Anthony Heilbut: The Fan Who Knew Too Much (Knopf)
8. Peter Scholl-Latour: Der Fluch der bösen Tat (Ullstein)
9. Alma Mahler-Werfel: Gustav Mahler (Fischer)
10. Greg Kot: I’ll Take You There (Scribner)

Weihnachtsgruß aus Rio

cassiano 1

Er gilt als der Stevie Wonder Brasiliens und hat mit Cuban Soul 1976 eines der wichtigsten und schönsten Alben des Black Rio-Movements veröffentlicht. Dass ein Soul-Crooner sein Werk, das Stück um Stück immer mehr funky wird, mit einer Weihnachtsballade eröffnet, da gehört schon ziemlich viel Chuzpe dazu.

„Hoje É Natal“, mein saisonaler Gruß aus den Tropen an alle Blog-Leser, verbunden mit den besten Wünschen für 2016.

Cassiano: „Hoje É Natal“
Quelle: youtube

Side tracks #15: O Trêm do Tom

antonio carlos jobim - antonio brasileiro

flagge-brasilienAntônio Carlos Jobim / Manuel Bandeira:
„Trem De Ferro“ (aus Antônio Brasileiro, 1994)

 

Wie letztes Jahr zum 8.12. auch 2015 eine kleine Hommage zu Jobims Todestag, dieses Mal in der Eisenbahnabteilung, die ich ja gerade insbesondere brasilianisch aufarbeite.

Dass „Antônio Brasileiro“ so viel mehr war als der Bossa-Vater, zeigt sich in seinen Spätwerken. Das hier ist der allerletzte Track aus seinem allerletzten Album. Ed Motta, den ich vor kurzem zum Interview getroffen habe (2016 mehr dazu), hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Jobim nicht nur seine Debussy- und Ravel-Einflüsse immer wieder verarbeitet hat, sondern ab und an auch wohl sein früher Lehrer Hans-Joachim Koellreutter (ein  Zwölftonkomponist, der 1937 nach seinem Musikstudium in Freiburg nach Rio emigrierte) abgefärbt hat.

Hätte Jobim noch ein paar Jahre länger gelebt, wäre er dann auf den atonalen Pfad eingeschwenkt? „Trem De Ferro“ jedenfalls, sein spätester Meisterstreich scheint sich in den Schlusstakten tatsächlich aus der Funktionsharmonik zu lösen. Darüber hinaus ist es eines der grandiosesten, lautmalerischesten Eisenbahnlieder, die ich kenne, und knüpft damit natürlich auch an “ O Trenzinho De Caipira“ aus der Bachiana Brasileira No.2 von Heitor Villa-Lobos an. Die Verse stammen vom Poeten Manuel Bandeira.

(Anmerkung: Die unten wiedergegebene Version ist eine verschlankte – ohne Perkussion und Orchester. Die viel raffiniertere Albumfassung ist in Deutschland von SME gesperrt.)

Antônio Carlos Jobim & Banda Nova: „Trem De Ferro“
Quelle: youtube

Persephone und die Bagpipes

alejandra riberaFoto: Kristina Wagenbauer

In Stuttgart konnte ich diese Woche die Frau treffen, die für mich sowohl das Album als auch den Song des Jahres aufgenommen hat. Die argentinisch-schottische Songwriterin Alejandra Ribera ist in Toronto aufgewachsen, und hat entlang von Klassik, Folk, Latin-Einflüssen, Vorbildern wie Odetta und Jane Siberry ihre eigene Stimme herausdestilliert – eine Stimme, die mit ihren vielen dunklen, hintergründigen, feinfühligen Schattierungen unter die Haut geht. Hier folgt das weitgehend ungekürzte Gespräch mit Alejandra, das ich anlässlich der deutschen Veröffentlichung ihres zweiten Albums La Boca mit ihr geführt habe.

Alejandra Ribera: „I Want“
Quelle: youtube

Alejandra, du hast einmal gesagt, La Boca sei dein erstes richtiges Album. Aber es ist ja nicht der Start aus dem Nichts. Vielleicht kannst du umreißen, was dich während deiner Jugend beeinflusst hat, wie du deine persönliche Farbe in der Musik gefunden hast.

Ribera: Meine Mutter und meine Großeltern hatten wunderschöne Singstimmen. Wir haben zuhause immer gesungen, einfach zum Spaß. Da kommt die starke schottische Tradition durch. Aber sehr früh zog mich auch die klassische Musik an und ich studierte mit einem Chor. Das hat mir die Basis für die Technik gegeben, ich lernte, wie ich die Stimmenmuskulatur aufbauen kann. Ich habe dann auch angefangen, faszinierende Stimmen zu entdecken, Odetta zum Beispiel, die hat mich völlig umgehauen und ich versuchte, sie zu imitieren. Ich experimentierte so lange herum, bis ein Destillat herauskam, dass ich meine eigene Stimme nennen kann. Weiterlesen