Beam Him Up, Scotty

Er hat sicherlich nicht eine so funky Stimme gehabt wie seine Kollegin Nichelle Nichols alias Lieutenant Uhura. Aber die 5 LPs, die er zwischen 1967 und 1970 für Dot Records eingespielt hat, sind es schon wert, dass man mal die Ohren spitzt (sorry for that pun…). In diesem Sinne verabschiede ich mich von Mr. Spock mit einem Stück Hoffnung aus seinem vierten, geradezu folkig-romantischen Werk The Touch Of Leonard Nimoy.

R.I.P. – oder besser: Live Long and Prosper.

Leonard Nimoy: Piece Of Hope“
Quelle: youtube

 

Moments Of Nina

Am Wochenende wäre sie 82 geworden. Eine kleine verspätete Hommage an die Frau, die für eine ihrer Platten plakativ „High Priestress Of Soul“ genannt wurde, aber in Wahrheit eine der wahrhaftigsten Stimmen des 20. Jahrhunderts besaß – und das von Jazz über Pop bis hinein in die Klassik.

5. „You Can Have Him“ (live in NYC, 1959)
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4. „Consummation“ (1967)
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3. „Four Women“ (live in Harlem, 1969)
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2. „Lilac Wine“ (1966)
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1. „Tomorrow Is My Turn“ (live in London, 1968)
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Auf diese Version von „Tomorrow Is My Turn“, (im Original Charles Aznavours „L’Amour C’est Comme Un Jour“) hat mich Rhiannon Giddens vor ein paar Tagen im Interview aufmerksam gemacht. Für mich seitdem die bewegendste Live-Aufnahme von Nina Simone – und sie wurde zudem wohl wenige Tage nach meinem Geburtstag eingespielt.
Von Rhiannon Giddens gibt es in ein paar Tagen mehr.

Bluegrass auf dem Kopf

punch brothers - the phosphorescent bluesPunch Brothers
The Phosphorescent Blues
(Nonesuch/Warner)

Aus all dem Weird Folk- und Americana- und wie die tollen Termini sonst noch so heißen – Hype der letzten Jahre ragen immer wieder einsame Perlen heraus:  Das Quintett um Sänger und Mandolinist Chris Thile webt mit dem Vokabular der Country-Musik ausgefeilte Songs mit unerwarteten Tempowechseln und harmonischen Überraschungseffekten, einen hymnischen Akustikpop, der trotzdem immer kammermusikalisch bleibt. Grandios, wie sich in „Familiarity“, dem Opener dieses dritten Albums, die virtuose Mandoline zu einem ganzen Orchester aufzubauschen scheint, wie der Ticktock-Puls von „Julep“ sich unmerklich zu wisperndem Falsettgesang wandelt. In „My Oh My“ hallen die wunderbaren Melodien der alten Musik aus den Appalachen wider, und die Band swingt in kompakter Kehligkeit. Mit „I Blew It Off“ findet sich auch ein astreiner Charts-Songs im Aufgebot. Neu sind die Bezüge zur Klassik: Debussys „Passepied“ und ein „Prélude“ von Skrjabin glitzern völlig selbstverständlich im folkigen Gewand. Für das fein abgestimmte Klangbild sorgte Produzent T-Bone Burnett, der Grandseigneur unter allen Veredlern der US-Roots Music.

Punch Brothers: „Julep“
Quelle: youtube

Zeitreise durch Kuba

Im November hatte ich die Gelegenheit, die letzte Diva des Buena Vista Social Clubs zu treffen. SRF 2 bringt am Freitag, den 20.2. um 21h mein Porträt von Omara Portuondo (wdh. am 22. um 18h). Eine Zeitreise durch die kubanische Musikgeschichte von der Ära der Trovadores in den 1930ern über die Blüte der Mambo und Rumba vor der Revolution bis heute – und als Reiseführerin eine immer noch quicklebendige 84-jährige Sängerin.

Omara Portuondo:“Noche Cubana“
Quelle: youtube

Side Tracks #6: Buffet-Groove

rail band
flagge maliOrchestre Rail-Band de Bamako:
Rail-Band Orchestra Of Bamako
(Reissue Mississippi Records, orig. 1970)

Es ist eine der legendärsten Aufnahmen der frühen afrikanischen Popmusik. Als Mali noch ein sozialistischer Staat war, unterhielt die Regierung verschiedene Unterhaltungsorchester. Dieses hier stellte der Direktor der malischen Eisenbahngesellschaft zusammen, naturgemäß hatte es im Bahnhofsgebäude der Hauptstadt Bamako seine Residenz. In seinen Reihen: ein sehr junger Salif Keita, der ab 1972 dann durch den Griot Mory Kanté aus Guinea ersetzt wurde. Tatsächlich wurzeln in dieser Band, die die ganzen Siebziger hindurch das Bahnhofsbuffet für die Fahrgäste an der Linie Dakar – Niger in einen groovenden Hexenkessel verwandelte, viele Komponenten des späteren weltmusikalischen Booms Westafrikas. Melismatische Gesangslinien, raues Sax und klackernde Gitarrensoli – der Sound der Rail-Band hat bis heute an Faszination nicht verloren.

In verschiedenen Metamorphosen hat die Rail-Band (als Super Rail Band) bis ins neue Jahrtausend überlebt. Der Bahnstrecke dagegen geht es nicht so gut: Die 1300km lange Trasse zwischen dem Atlantik und der Wüste bröckelt schon lange vor sich hin, die wenigen Züge, die noch zwischen der malischen Grenzstadt Kayes und Bamako verkehren, entgleisen des öfteren, die Waggons sind in einem erbärmlichen Zustand. Man hört in regelmäßigen Abständen von Renovierungsplänen und Investoren aus dem Ausland. Die Strecke zu bereisen, war mal ein Traum von mir – im Moment ist es eher fraglich, ob der noch wahr wird. Halten wir uns also an die Musik.

Orchestre Rail-Band de Bamako: „Mali Cèbalenw“
Quelle: youtube

 

Dina El Wedidi: Der Spirit vom Tahrir

dina 1

Foto: Shokry Mannaa


Auf dem Tahrir-Platz in Kairo war sie 2011 als Musikerin dabei und sang der Jugend den Hit „Lasst uns träumen“ entgegen. Heute ist die 27-jährige Dina El Wedidi eine der führenden Songwriterinnen der ägyptischen Nachrevolutionszeit. Sie genoss ein intensives Lehrjahr bei Gilberto Gil und streckt derzeit ihre Fühler nach Afrika aus, indem sie mit den Musikern des Nile Project die verbindende Kultur der größten Lebensader Afrikas zelebriert. Die Zukunft ihres Landes sieht sie zwiegespalten. Ich habe sie während der US-Tour des Nile Projects über Telefon in L.A. erreicht. Das dritte und vorerst abschließende Interview in der Serie mit arabischen Sängerinnen.

Dina El Wedidi, dass der Titel Ihres Debütalbums „Turning Back“, „zurückkehren, sich umdrehen“ heißt, überrascht mich etwas, denn Sie gehören ja zu der Generation der progressiven, nach vorne schauenden Musikerinnen Ägyptens. Warum haben Sie diesen Titel gewählt?

El Wedidi: Bei der Titelgebung habe ich auf eine sehr persönliche Weise an die Geisteshaltung gedacht, die ich während der letzten drei Jahre hatte. Ich probierte musikalisch eine Menge aus, experimentierte mit Rap, Fusion, Folk und Traditionen. Es war mir klar, dass ich einen eigenen Sound finden musste. Und da schien es mir das Beste, zu dem Gefühl zurückzugehen, das ich hatte, als ich allein mit meiner Gitarre in meinem Zimmer saß und anfing, Songs und Texte zu schreiben. Der Moment, bevor man als Songwriter raus zu den Musikern geht. Ein sehr intimer, warmer Moment. Gleichzeitig hat der Titel aber auch damit zu tun, dass wir, die junge Generation, drei Jahre nach der Revolution wieder zum genau gleichen Punkt zurückkehren müssen, an dem wir begonnen haben. Weiterlesen