Debussy im blauen Gras


Claude Debussy ist heute vor 100 Jahren gestorben.

Ich möchte ihn ohne Worte würdigen – mit einer Bluegrass-Interpretation seines „Passepied“ aus der „Suite Bergamasque“.
Das allein zeigt, wie universell seine Musik ist – und wie genial die Punch Brothers, die sich auf diesen Spagat eingelassen haben.

Punch Brothers: „Passepied“ (live)
Quelle: youtube

Bluegrass auf dem Kopf

punch brothers - the phosphorescent bluesPunch Brothers
The Phosphorescent Blues
(Nonesuch/Warner)

Aus all dem Weird Folk- und Americana- und wie die tollen Termini sonst noch so heißen – Hype der letzten Jahre ragen immer wieder einsame Perlen heraus:  Das Quintett um Sänger und Mandolinist Chris Thile webt mit dem Vokabular der Country-Musik ausgefeilte Songs mit unerwarteten Tempowechseln und harmonischen Überraschungseffekten, einen hymnischen Akustikpop, der trotzdem immer kammermusikalisch bleibt. Grandios, wie sich in „Familiarity“, dem Opener dieses dritten Albums, die virtuose Mandoline zu einem ganzen Orchester aufzubauschen scheint, wie der Ticktock-Puls von „Julep“ sich unmerklich zu wisperndem Falsettgesang wandelt. In „My Oh My“ hallen die wunderbaren Melodien der alten Musik aus den Appalachen wider, und die Band swingt in kompakter Kehligkeit. Mit „I Blew It Off“ findet sich auch ein astreiner Charts-Songs im Aufgebot. Neu sind die Bezüge zur Klassik: Debussys „Passepied“ und ein „Prélude“ von Skrjabin glitzern völlig selbstverständlich im folkigen Gewand. Für das fein abgestimmte Klangbild sorgte Produzent T-Bone Burnett, der Grandseigneur unter allen Veredlern der US-Roots Music.

Punch Brothers: „Julep“
Quelle: youtube