Triângulo maravilhoso

15 Jahre mussten wir warten – bis Brasiliens schönste Ménage à trois wieder ins Studio ging. Über das zweite Album der Tribalistas schweigt der Kritiker vorerst in Verzückung: zeitlos schöne Popmusik auf einer Stufe mit den Beatles – mindestens.
Obrigado,  Marisa, Carlinhos & Arnaldo!

Tribalistas: Baião Do Mundo“
Quelle: youtube

Jobim zum Neunzigsten

carminho jobim

Carminho
Canta Jobim
(Warner)

Heute wäre Antônio Carlos Jobim, Erfinder der Bossa Nova, 90 Jahre alt geworden. Portugals jüngster Fado-Superstar wagt zum Jubiläum den Sprung über den Atlantik nach Rio. Ein Spagat zwischen tropischer Coolness und lusitanischem Pathos: In den impressionistisch geprägten Balladen wie „Sabiá” oder „Modinha” gestaltet die expressive Stimme aus Lissabon die Melancholie grandios aus. In „Luiza“ schafft sie es, die Wagnerianische Schwüle herauszuarbeiten. Ein gestalterischer Höhepunkt ist „Estrada Do Sol“: Im Duett mit Marisa Monte umwinden, flattern und schweben die beiden Stimmen tatsächlich diese Sonnenstraße entlang. In „A Felicidade” oder „Meditação“ wird deutlich, dass die pathetische Phrasierung des Fado in der brasilianischen Sphäre auch bemüht klingen kann, und der gealterte Samba-Poet Chico Buarque kann in „Falando De Amor“ nur bedingt neben der jungen Kollegin glänzen. Die Instrumentalabteilung mit Jacques Morelenbaum und den Jobim-Nachkommen (Sohn Paulo an der Gitarre und Enkel Daniel am Piano) ist allerdings über jeden Zweifel erhaben: Unter diesem Aspekt werden Erinnerung an das Jahrhunderttribut „Casa“ wach, das Jacques und Paula Morelenbaum vor 15 Jahren mit dem Japaner Ryuichi Sakamoto eingespielt haben.

Carminho & Marisa Monte: „Estrado Do Sol“
Quelle: youtube

(he)artstrings #6: Inbrunst gegen Trockenheit

marisa-monte

 Marisa Monte
„Segue O Seco“ (Carlinhos Brown)
(aus: Verde, Anil, Amarelo, Cor-de-Rosa & Carvão, 1994)

Mit Rose & Charcoal (so der kurze englische Titel des Albums) und Carlinhos Browns Alfagamabetizado hat meine Brasilien-Affinität ihren Lauf genommen. Etliche Jahre, bevor ich selbst das erste Mal hingeflogen bin, reimte ich mir Vieles übers Hören von Liedern wie diesem zusammen – und natürlich war dann nachher alles ganz anders. Die brasilianische Musik ist mir bis heute in all ihren Schattierungen geblieben, von Choro über Bossa bis zum Experimental-Pop. Und Marisa Monte, die ich inzwischen auch interviewen konnte, steht mit Paula Morelenbaum unantastbar im Olymp der Frauenstimmen des Landes.

„Segue O Seco“ ist ein inbrünstiges Flehen um Regen, eine persönliche Ansprache an den Himmel, dass er doch endlich die Tropfen hinuntersenden möge in den Sertão, das knalltrockene Hinterland des Nordeste. Die erbarmungslose Dürre, die es nicht kümmert, dass der Bach und der Pfad längst ausgetrocknet sind und sogar das Schicksal vertrocknet, sie wird hier grandios mit tränenreichem Akkordeon, spindeldürrem Musikbogen Berimbau und klagenden Afro-Chören ausgestaltet.

Marisa Monte: „Segue O Seco“
Quelle: youtube

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Tropischer Fado-Flirt

carminhoFoto: Leo Aversa

Carminho ist Portugals größte Fadosängerin der heutigen Generation. Mit ihrem Quartett eröffnet die 30-jährige am 1.10. die Saison im Lörracher Burghof und bringt ihr drittes Album Canto mit. Hier folgen zur Einstimmung Auszüge aus zwei Interviews, die ich mit Carminho in den letzten Monaten geführt habe. Weiterlesen