Afro-Jam aus London Town II

Kokoroko
Kokoroko EP
(Brownswood Recordings/Rough Trade)

Es sind nur vier Stücke, aber die haben es ziemlich in sich: Kokoroko zählen zu den interessantesten Newcomern in Londons quirligem Afrobeat-Zirkel. Aus dem Genre, das vor rund 50 Jahren Tony Allen und Fela Kuti in Nigeria geprägt haben, holt dieses Oktett mit einem ausschließlich weiblichen Bläsersatz um Trompeterin Sheila Maurice-Grey einen unorthodoxen Ansatz heraus. Die Hornsection agiert dreckig und fast nachlässig in „Adwa“, macht Platz für ein sehr jazziges, freies Gitarrensolo. Maurice-Greys Trompete geht in „Tide“, einem träumerischen Zwischenspiel mit trillernder Gitarre auf eine abenteuerliche Reise, bevor sich fast gospelige Chorharmonien durchsetzen. „Uman“ wird von funkigen Gitarrenriffs vorangetrieben, Achterbahn fahrende Bläser prägen diese Hommage an die schwarze Frau. Das gemächlich schaukelnde „Abusey Junction“ verweist mit beschwipstem Saitenspiel sogar an die süffige Palmwine Music. Übersetzt aus dem Orobo-Idiom heißt der Bandname „Sei stark!“ Das hat diese famose Combo, die das Jazzfestival in Basel eröffnen wird, schon bewiesen.

© Stefan Franzen

Kokoroko live: 26.4. Basel, Kaserne (support für Somi) – 8.5.  Zürich, Exil – 9.5. Berlin, XJazz Festival – 16.+18.5. Strasbourg, Pelpass Festival – 1.6. Hamburg, Elbjazz Festival

Kokoroko: „Uman“
Quelle: youtube

Highlife revisited

pat thomas - kwashibu area bandPat Thomas
Pat Thomas & The Kwashibu Area Band
(Strut/Indigo)

Wer die feine Trennlinie zwischen dem von Fela Kuti gepflegten Afrobeat und seinem ghanaischen Vorläufer Highlife erkunden möchte, dem bietet sich jetzt eine schöne Gelegenheit. Pat Thomas aus Kumasi war seit den 1960ern eine Vokalgröße im Bigband-Highlife, in den Achtzigern avancierte er in der exilghanaischen Szene Hamburgs zu einer der Leitfiguren des discoartigen „Burger Highlifes“. Mit der Kwashibu Area Band, in der neben alten Recken aus Ghanas Hautpstadt Accra und Nigerias Stardrummer Tony Allen auch der Poet Of Rhythm Ben Abarbanel-Wolff am Sax mittut, feiert er auf dem selbstbetitelten Album wieder den Sound der Siebziger. Palmwine-selige, schmelzende Melodien entfalten sich über federleichten wie komplexen Grooves wie in „Gyae Su“ oder „Odoo Be Ba“, knackige Bläserfanfaren liefern den Rahmen für pointierte Gesangslinien („Mewo Akoma“). Ein paar glimmende Orgeltöne kommen dazu und geschliffene, richtig zu Herzen gehende Gitarrenriffs. Thomas‘ immer sanfter Tenor webt Lyrics, die von den süffigen Retroflex-Lauten der Fanti- und Ashanti-Sprache durchwirkt sind. Hier ist alles im weichen Flow und auf fast magische Art trotzdem funky.

Pat Thomas & The Kwashibu Area Band: “ Odoo Be Ba“
Quelle: youtube

 

Schatzkiste #9: Funkenflug aus Lagos

peter king - miliki sound

Peter King: Miliki Sound 
(Tackle Records, 1975; reissue Mr. Bongo, 2013)

entdeckt bei: Soul Brother Records, Putney, London

Ein gesegneter Multiinstrumentalist! Tenor- und Sopransax, Flöte, Piano, Violine, Percussion und Gesang erledigt Mr. King im Alleingang. Unterstützung holt er sich nur noch von einer minimalen Horn Section. Der Nigerianer ist einer jener, die das Schicksal haben, bis heute im Schatten des großen Landsmanns Fela Kuti zu stehen. King pflegt einen fulminant funkigen Afrojazz-Sound, angereichert mit Roots aus Highlife und Juju. Allein schon für das grandiose Cover hat sich die Überquerung der Themse nach Putney gelohnt.

Peter King: „Jo Jolo“
Quelle: youtube