Die musikalische Geschichte der Annie Goodchild, geboren in Boston, beginnt mit Klavierunterricht und Singen in Gospelchören. Doch das einschneidende Erlebnis trägt sich während einer Abenteuerreise in einer Tequilabar in Guatemala zu: Dort trifft sie den Gitarristen Maarten Swan während eines Open Mic-Abends und gründet mit ihm die Band Melou. Das Repertoire der Akustikcombo gründet auf der Arrangierkunst Swans, aber vor allem auf dem satten, flexiblen Alt von Goodchild, der sich in Soulstücken wohl fühlt. Aber – und das ist ihr großer Bonus – er kann auch orientalische und indische Färbungen annehmen.
Eine erste CD nehmen Melou in Barcelona bereits 2009 auf, aber es ist die Veröffentlichung „Skylark“ vier Jahre später, die Goodchilds Stimme, mittlerweile durchs Berklee Collge of Music geschult, in neue Dimensionen katapultiert. Man höre sich nur das Titelstück an, in dem sie mühelos arabeskes Umherschweifen und dichte Vokalsätze mit leicht psychedelischem Folkpop verknüpft. Weitere Erfahrungen sammelt sie in der britischen Theatertruppe Punchdrunk, bei der es ihre Aufgabe ist, vokales Flair der 1930er zu erzeugen. Einem ähnlich retro-orientierten Training unterzieht sie sich im Rahmen des US-Projekts Postmodern Jukebox, das aktuelle Pophits mit Vintage-Atmosphäre umsetzt. Goodchilds Beitrag „Roar“, im Original von Katie Perry, wird zum Youtube-Hit.
Seit drei Jahren ist ihr neuer Standort Basel, und diesen neuen Lebensabschnitt krönt Annie Goodchild nun mit der vor ein paar Tagen veröffentlichten EP. Im „Green Eyed Monster“ tastet sie sich mit einem fantastischen Sinn für Dramaturgie von den suggestiven Tiefen in die hohen Lagen empor – das mit Streichern kolorierte Stück mutet an wie eine Kreuzung aus einem schweren orientalischen Klanggemälde und psychedelischem Indie-Rock. Mit einem Touch Electronica sind die Arrangements des „Black Swan“ belegt, ein großartiger Hymnus, der zwischen geheimnisvollen Geigen, tribaler Percussion und einer Popmelodie voller Strahlkraft wechselt. Als Single hat Goodchild „Rooster“ ausgekoppelt, begleitet durch ein sinnliches Video, das die Weiblichkeit feiert – zu einem Arrangement, das Motown mit modernem R&B und House koppelt. Und schließlich noch der „Maneater“ von Daryl Hall und John Oates, den sie als betörenden Dub vertont.
© Stefan Franzen
Annie Goodchild tritt am 24.9. im Rahmen der Klangbasel in einem Doppelkonzert mit der ebenfalls in Basel lebenden Kanadierin Andrea Samborski auf.
Melou feat. Annie Goodchild: „Just Take The Edge Off“
Quelle: youtube



King Crimson
Als das letzte Mal auf dieser Seite ein Trekkie auftauchte, war das mit dem Tod von Leonard Nimoy ein trauriger Anlass. Jetzt gibt es Grund zum Feiern: In der kommenden Woche wird Star Trek 50 Jahre alt. Den Soundtrack dazu liefert uns das Mitglied aus dem Bordpersonal, das am besten singen konnte, mit Abstand!: Nichelle Nichols alias Lieutenant Uhura von ihrer Soulplatte Down To Earth aus dem Jahre 1967. James „Scotty“ Doohans Version von „Muss i denn zum Städele hinaus“ hätte ich gerne kredenzt, habe sie aber nicht gefunden…

Es könnten die absurdesten Textzeilen der Popmusikgeschichte sein: „Jemand hat den Kuchen da draußen im Regen gelassen. Ich glaube, das halte ich nicht aus, denn es war so schwierig ihn zu backen und ich werde das Rezept nie mehr auftreiben.“ Die Musik zu dieser Klage über eine Liebe, die sich nicht erfüllen konnte, wird aufs Dramatischste ausgestaltet, mit vollem Symphonieorchester, Tempowechseln und der zutiefst larmoyanten Stimme des Sängers Richard Harris. „McArthur Park“ ist nur eines der einzigartigen Lieder, die Jimmy Webb geschaffen hat. Der Songwriter, Komponist und Arrangeur aus Oklahoma, der heute 70 Jahre alt wird, schaut auf ein halbes Jahrhundert von Hits zurück, im Olymp der US-Songschmiede ist ihm schon jetzt neben Burt Bacharach ein Thron sicher. Zum 70. Geburtstag die – für meine Ohren 7 spannendsten Songs des Songschmiedes.
