Die klassische Musik des Iran befindet sich in einem sanften Umbruch. Er mag für Außenstehende kaum wahrnehmbar sein, doch nicht nur im musikalischen Untergrund von Rock und Pop brodelt es, auch die Hochkultur nimmt sich jetzt feine Freiheiten in musikalischer Form und Besetzung heraus. Während einige junge Musiker die offene Konfrontation mit dem Regime und Auftrittsverbote nicht scheuen, weil sie etwa den verbotenen Sologesang von Frauen integrieren, gibt es unter den Neuerern auch gemäßigtere Persönlichkeiten, deren Arbeit trotzdem die rigiden Muster der bisherigen Traditionen aufbricht. Zu diesen gehört der Lautenist, Komponist und Ensembleleiter Hossein Alizadeh, derzeit populärster Mittler zwischen den Generationen.
Derzeit ist der 67-Jährige mit einem großen Ensemble auf Europatournee, das zentral für seine Erneuerungsarbeit ist. Hamavayan, aus dem Farsi übersetzt, bedeutet „Zusammenklang“, und das ist hier in mehrfacher Hinsicht zu verstehen. Zum einen gruppiert Alizadeh alle wichtigen Instrumente der persischen Klassik zueinander: die Langhalslaute, das von ihm selbst entwickelte Saiteninstrument Shurangiz, die Flöte Ney und die Spießgeige Kamancheh, das Hackbrett Qanun und die Bechertrommel Tombak – letztere gespielt von einem Gast, dem in Köln lebenden Iraner Behnam Samani. Zusammenklang heißt hier aber auch: Weibliche und männliche Stimmen agieren miteinander. Alizadeh war und ist es ein Anliegen, Frauen in seine Musik zu integrieren, bis an die Grenzen dessen, was die Moralwächter des Gottesstaates gestatten. Will heißen: Der weibliche Gesang darf nie dominierend werden, geschweige denn allein zu hören sein, das bringe die zuhörenden Männer auf Abwege, so die Dogmatik der Mullahs.
Das von Alizadeh komponierte Programm des Hamavayan Ensembles auf der aktuellen Deutschlandtournee wird zwei Aspekte umfassen: Zunächst stellen die acht Musiker Auszüge aus dem aktuellen Album „Bâdeh Toeï“ vor, in denen Pouria Akhavass die männliche Vokalrolle übernimmt. Die Quellen der Poesievertonungen gehen dabei bis in die moderne Lyrik hinein. Der zweite Teil steht im Isfahan-Modus, eine derjenigen Skalen aus dem persischen Tonleiter-Vorrat, die von einem westlichen Publikum leichter zu verstehen sind. Diesen Programmpunkt werden Hamavayan so gestalten, wie es im Iran selbst nicht möglich wäre: Denn hier tritt mit Sabah Hosseini eine Frau als Solistin hervor.
© Stefan Franzen
(erschienen in der Badischen Zeitung, Ausgabe 1.2.2019)
das Hamavayan Ensemble ist noch zu erleben:
6.2. Freiburg, Jazzhaus
9.2. Brüssel, Salle M
Heute möchte ich einen der großartigsten Clips vorstellen, den die afrikanische Musik je hervorgebracht hat. Er stammt vom kamerunischen Musiker Blick Bassy, der ihn dem Freiheitskämpfer Ruben Um Nyobé widmet. Um sein Schicksal und Kameruns Ringen um Unabhängigkeit geht es auch auf Bassys neuer Scheibe 1958, die am 8.März erscheinen wird. Das Album und die Single „Ngwa“ erzählen bildgewaltig eine genauso bittere wie hoffnungsvolle Geschichte aus kolonialer Zeit, die ihre zerstörerischen Nachwirkungen noch nicht beendet hat.
Im Alter von 66 Jahren ist am Mittwoch vergangener Woche (23.1.) Oliver Mtukudzi gestorben, Simbabwes national und international bekanntester Musiker. Der Poet mit der mal sanften, mal löwenhaften Reibeisenstimme, den alle nur „Tuku“ nannten, war über Jahrzehnte hinweg eine der großen Stimmen des südlichen Afrikas.
Dudu Tassa & The Kuwaitis
Vardan Hovanissian & Emre Gültekin
Auf diese Debüt-LP, die heute 50 Jahre alt wird, habe ich sehr verspätet reagiert. Inmitten der musikalisch düsteren Achtziger (1984, um genau zu sein), haben mein Cousin und ich sie in Endlosschleife gehört (und versucht, „You Shook Me“ nachzukrähen).