Side tracks #16: Der blaue Zug

lo borgesflagge-brasilienLô Borges: „Trem Azul“
(Orig.: Clube Da Esquina, 1972)

Unter den vielen brasilianischen Eisenbahnliedern ist dieses hier mein Allerliebstes. Der Canção über den blauen Zug stammt aus der Feder des Songwriters Lô Borges, einer der Gründer der Clube da Esquina-Bewegung. Diese Bewegung aus Belo Horizonte, der auch Milton Nascimento angehörte, verband bildgewaltige, teils psychedelische Poesie mit Art Rock à la Genesis und der lyrischen Grundstimmung, die der Musik des Bundesstaates Minas Gerais so oft zu eigen ist. Ob Borges einen bestimmten blauen Zug gemeint hat? Das Nachrichtennetzwerk O Globo meint, dass es dieser hier war:

trem azul 2Foto: Márcia Foletto

Dieser Trem Azul verkehrte bis in die Neunziger hinein im Staat Rio de Janeiro  als Touristenbahn zwischen Miguel Pereira und Conrado. Seit Oktober 2015 soll er laut O Globo seinen Betrieb wieder aufgenommen haben. Ein doppelter Anlass, dieses Lied zu würdigen, denn nicht nur ist der Zug wieder in der Spur, Lô Borges wird heute auch 64 Jahre jung.

Der „Trem Azul“ erschien im Original auf dem ersten Clube da Esquina-Album im Jahr 1972 und wurde in der Folge von vielen weiteren Künstlern der Música Popular aufgegriffen, bis hin zu Tom Jobim und Elis Regina, die ihre große Liveshow 1981 sogar unter diesem Titel laufen ließ.  Der Refrain von Borges‘ Kollegen Ronaldo Bastos („du nimmst den blauen Zug, die Sonne im Kopf, die Sonne nimmt den blauen Zug, dich im Kopf“) gehört zu den schönsten der brasilianischen Popmusik.

Flavio Venturini, Lô Borges und Beto Guedes: „Trem Azul“ (live 1999)
Quelle: youtube

Schatzkiste #6: Die Perfektion des Hauchens

astrud gilberto - i haven't got anything better to do

Astrud Gilberto: I Haven’t Got Anything Better To Do 
(Verve, 1969)

entdeckt bei ebay

Ich mag Frau Weinert eigentlich gar nicht so, und sie ist ja nur zufällig zum Singen gekommen, als sie dann Senhora Gilberto wurde und sich bei den Sessions mit ihrem Mann João, Tom Jobim und Stan Getz in New York ein wenig aufdrängte. Der Rest ist Geschichte. Doch diese Platte ist einfach die brutalstmögliche Vertonung eines Schlafzimmerblickes und sollte nie beim kleinsten Schimmer Tageslicht gehört werden. Die hohe Kunst des Dahinhauchens, sowohl in Stimme als auch in den tiefenräumlichen Arrangements von Brooks Arthur. Gekauft habe ich mir sie eigentlich wegen der Burt Bacharach/Hal David-Komposition „Trains And Boats And Planes“. Da kann schon mal eine Träne auf Reisen gehen.

Astrud Gilberto: Wailing Of The Willow
Quelle: youtube