
João Afonso
Todo Tempo
(Lusitanian/Broken Silence)
Vertraut klingt der Name im musikalischen Kontext – und tatsächlich: João Afonso ist der Neffe des 1987 verstorbenen Liedermachers und Dichter des Nelkenrevolution-Liedes „Grândola, Vila Morena“, José „Zeca“ Afonso. Im Laufe der letzten 30 Jahre hat der Songschreiber, Sänger und Gitarrist im ruhigen Gang neun Alben veröffentlicht, die hierzulande meist Kennern vorbehalten blieben. Todo Tempo bündelt seine Schöpferkraft musikalisch und poetisch. Im Titeltrack paaren sich trabende rhythmische Ausgestaltung und eine melancholische Melodie zu ruhigen Bläsersätzen. Fast klassisch wird es in Balladen wie „Pernoitas Em Mim“, nur mit Klavier und Cello textiert. Mit „Um Homem Não Chora“ (ein Mann weint nicht) ist eine eingängige Folkpop-Hymne gelungen.
Im Mittelpunkt steht dabei immer Afonsos sensible Stimme, die sich zwischen Verletzlichkeit und kräftigem Volksliedton aufspannt. Ein wichtiger Aspekt des Songzyklus ist Afonsos persönlicher Hintergrund: Er wuchs noch während der Kolonialzeit in Mosambik auf, afrikanische Tönungen scheinen daher in der reichen rhythmischen Ausgestaltung, aber auch in Melodien und Instrumentierung durch, etwa in der Gitarrenarbeit von „Matope“ oder der tänzerischen Unbeschwertheit von „Sonhei-te“, der Rão Kyãos Flöten-Interludien sogar einen Schuss Indien-Flair hinzufügen. Organisch wird der tropische Aspekt zur rustikalen Tönung portugiesischer Saiteninstrumente gruppiert. Schwelgerischer Höhepunkt: Die ruhige Nummer „Guardião Das Estrelas“, bereichert durch den Frauenchor CouraVoce.
© Stefan Franzen
João Afonso: „Todo Tempo“