Radiotipp: Ibn Battuta – Prinz der Reisenden


SWR2 Musikstunde
13. – 17.08.2018 –  09h05 – 10h00

Ibn Battuta – Prinz der Reisenden
Musikalische Spuren zwischen Marokko und China

In der muslimischen Welt gilt er als „Prinz der Reisenden“. Zwischen 1325 und 1354 hat Ibn Battuta 120.000 Kilometer zurückgelegt, weit mehr als Marco Polo ein paar Jahrzehnte zuvor. In der SWR 2 Musikstunde begebe ich mich auf die Spuren des marokkanischen Berbers. Auf verschlungenen Routen entdecken wir die fesselnde Weltgeschichte des frühen 14. Jahrhunderts und eine unglaubliche Vielfalt von Klangkulturen auf drei Kontinenten: zwischen Marokko und der Krim, zwischen der Sahara und China, zwischen Andalusien, Samarkand und Sansibar. Das Rihla, Ibn Battutas genauso fantastischer wie scharfsinniger Reisebericht ist dabei immer im Gepäck.

Mo, 13.08. – Teil 1: Von Tanger nach Damaskus
Di, 14.08 – Teil 2: Von Mekka bis Sansibar
Mi, 15.08. – Teil 3: Von Anatolien bis Kabul
Do, 16.08. – Teil 4: Von Delhi nach Tawalisi
Fr, 17.08. – Teil 5: Vom Perlfluss bis Timbuktu

Auch der katalanische Musikreisende Jordi Savall hat sich mit Ibn Battuta beschäftigt – er wird den Auftakt zu meinen Sendungen bilden.

Jordi Savall über Ibn Battuta
Quelle: youtube

Engagierte Bounciness (#10 – Canada 150)

Alysha Brilla (Ontario)
aktuelles Album: Human ( SunnyJam Records)

Mitten in einem Schneesturm treffe ich in der Zwillingsstadt Kitchener-Waterloo südlich von Toronto ein. Ein besonders kurioses Beispiel für Kanadas Einwanderergeschichte: Bis in die 1920er hieß der Ort aufgrund der vielen Deutschstämmigen Berlin. Dabei wäre München passender: Im Zentrum der Stadt thront ein Laden, in dem sich Dirndl und Bierkrüge erstehen lassen, und eine riesige Mehrzweckhalle kündet vom alljährlich stattfindenden Oktoberfest, angeblich das zweitgrößte der Welt.

Die Nachbarstadt Waterloo dagegen ist in der Hand von Studenten. Nur mit Mühe finde ich in den Schneeverwehungen ein kleines vegetarisches Restaurant, wo ich mit Alysha Brilla verabredet bin. Sie hat mich zum Interview hierher eingeladen, denn sie will, dass ich ihre Heimatstadt kennenlerne. Mit beschlagener Brille stolpere ich die enge Treppe hinauf und stehe erst einmal in einem Plattenladen: Vollgestopft mit Vinyl-Raritäten bis unter die Dachschräge. Alysha aber sitzt unten bei einer heißen Suppe. Biographisch und musikalisch ist sie eine Art Bilderbuchmodell für die kanadische Diversität: die Mutter weiße Christin, der Vater indo-tansanischer Muslim.

Ich möchte mit deinem gemischten Hintergrund starten: Wie waren als Kind und Jugendliche deine Erfahrungen als Tochter einer Kanadierin und eines Indo-Tansaniers? Fühltest du dich als Außenseiterin?

Alysha Brilla: Ich fühlte mich mit meinem gemischten Erbe schon ein bisschen als Außenseiter, als ich jünger war, denn ich kannte nicht viele Leute, die auch diesen Background hatten. Klar, die Leute aus der Karibik durch ihre Vorfahren, aber ich kannte nicht viele, deren Mum aus einem und deren Dad aus einem anderen Land kamen. Das hat dazu geführt, dass ich viel über die Bedeutung von Identität nachgedacht habe. Meine Eltern hatten ja auch verschiedene Religionen: Meine Mutter wuchs als Christin auf, mein Großvater war ein Geistlicher, wohingegen mein Vater ein Schiit ist. Manchmal gingen wir zur Kirche, manchmal zum Jamatkhana-Gotteshaus, manchmal waren wir sehr westlich angezogen, wenn wir zur Jamatkhana gingen dagegen indische Kleidung. Und auf der Basis dieses gemischten Hintergrunds gab es immer viele politische Diskussionen in meinem Elternhaus. Weiterlesen