Rudolstadt-Nachlese in Bildern I: Der Freitag

Soweto Soul (Südafrika)

Die 29. Ausgabe des Rudolstadt Festivals stand im Zeichen des Iran,
der pazifischen Kultur der Austronesier und vieler Highlights von Brasilien bis Russland.

Ein dreiteiliger Streifzug in Bildern.
(alle Fotos: Stefan Franzen)

 

Ali Ghamsari (Iran)

Ayça Miraç Quartett (Türkei-Lasistan-Deutschland)

Hamnava Ensemble (Iran)

Tribute to Márkos Vamvakáris (Griechenland)

Rudolstadt: Zwischen Südsee und Iran

Small Island Big Song

Das Rudolstadt Festival hat heute sein Programm für 2019 veröffentlicht.

Neben dem schon länger bekannten Iran-Schwerpunkt, der auch das Klassik-Idol der Jugend, Ali Ghamsari vorstellt, können sich die Roots-Pilger in Richtung Thüringen unter anderem auf ein Wiedersehen mit den kanadischen Legenden Cowboy Junkies freuen, oder auf das spannende Projekt „Small Island Big Song“:

Musiker von Madagaskar bis zu den Osterinseln haben sich zusammengefunden, um kulturelle Gemeinsamkeiten der mela-, mikro- und polynesischen Inselwelt herauszuarbeiten und auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen, die ihre Heimat bedroht.

Meine ersten drei Programmtipps für die Tage vom 4. bis 7. Juli:

1. Small Island Big Song: „Gasikara“
Quelle: youtube
2. Cowboy Junkies: „Mountain Stream“
Quelle: youtube
3. Ali Ghamsari: „Jolan“
Quelle: youtube

Aufbruch im Iran

                                                             Samin Ghorbani, Ali Ghamsari, Mina Deris

Die Musikszene des Iran, sowohl in der Heimat als auch in der Diaspora, wird von einem frischen Wind durchweht. Junge Künstler betätigen sich dabei nicht unbedingt als Bilderstürmer, sondern versuchen die klassische Musik mit Detailarbeit zu verfeinern. Dabei werden vor allem die Frauen, die sich unter dem Regime täglich neue Freiheiten im kulturellen Leben erkämpfen müssen, immer sicht- und hörbarer.

Nach der erfolgreichen Erstausgabe im Frühjahr 2017 geht das Festival „Female Voice of Iran“ vom 8. bis 11. November zum zweiten Mal in der Berliner Villa Elisabeth an den Start. In Zusammenarbeit mit der Zeitgenössischen Oper Berlin hat die persische Musikologin Yalda Yazdani in vielen Regionen des Landes nach außergewöhnlichen, jungen Frauenstimmen gesucht, die jetzt an der Spree die Vielfalt des Irans auf musikalischem Wege präsentieren. Das stilistische Spektrum reicht von Klassik über Jazz und Fusion bis Folk.

Dabei ist die arabischstämmige Sängerin Mina Deris aus dem Grenzgebiet zum Irak, und mit Sahar Zibaei ist eine Vertreterin der kurdischsprechenden Metropole Kermanshah eingeladen. Turkmenische Facetten scheinen in der Vokalkunst von Jamileh Amaniyan auf, Samin Ghorbani bringt die Farben der aserbaidschanischen Grenzregion auf die Bühne, Atefeh Moghimi aus der Provinz Mazandaran im Norden. Außerdem ist mit Maedeh Tabatabaei Niya eine Stimme aus Isfahan dabei, Aida Norat, Maliheh Moradi Haghighi und Faravaz Farvardin ergänzen das Line-Up mit der Vielfalt der Szene Teherans.

Wenige Tage später, am 17.11., präsentieren sich mit Ali Ghamsari, dem Barbat Ensemble und Mohammad Reza Mortazavi männliche Vertreter des neuen Iran in einem Dreiergipfel in der Philharmonie Köln. Im Kern des Barbat Ensembles stehen die drei Brüder Mani, Nima und Pouya Khoshravesh aus der Mazandaran-Region Nordirans. Sie sind Neffen des berühmten Sängers Abolhassan Khoshroo, und sie stehen mit ihren Instrumenten, der Flöte Ney, der Langhalslaute Setar und der Spießgeige Kamancheh in einer Jahrhunderte langen Tradition. Alle drei tragen die Eigenheiten iranischer Musik aus dieser nördlichen Region in die Welt, leben seit einigen Jahren in Paris.

Die gleiche Philosophie verfolgt Ali Ghamsari: Der 34-Jährige Teheraner ist nicht nur einer der grandiosesten Virtuosen auf der Langhalslaute Tar in seiner Altersklasse, er hat durch die Gründung mehrerer neuer Ensembles und als Komponist für die persische Klassik ein Tor ins Zeitgenössische geöffnet. Seine Arbeit reicht von der mystischen Liedtradition bis zum Streichquartett, des öfteren arbeitet er auch mit der Sängerin Haleh Seyfizadeh zusammen.

Ali Ghamsari & Haleh Seyfizadeh live, Female Voice of Iran 2017
Quelle: vimeo

Mohammad Reza Mortazavi schließlich setzt den eigenwilligsten Akzent auf diesen Gipfel der iranischen Jugend: Der Schlagwerker, dem vom ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“ „die schnellsten Hände der Welt attestiert wurden, hat für Rahmen- und Bechertrommeln dutzendweise neue Schlag- und Fingertechniken eingeführt, schafft mit seinem Spiel eine polyphone, bilderreiche Trommelsprache mit Pop-Appeal.

Im Sommer 2019 werden noch mehr Facetten dieser Aufbruchsgeneration der persischen Musik in Deutschland zu erleben sein: Beim Rudolstadt Festival vom 4. bis 7.7. heißt der Länderschwerpunkt dann Iran.