Moonwalk V

In dieser Nacht vor 50 Jahren setzte die Landefähre Eagle im Mare Tranquilitatis auf. Ziemlich genau 450 Jahre, nachdem Fernando Magellan die Passage durch die Spitze Südamerikas gefunden hatte und mit seinen Schiffen in den Pazifik, später als „Meer der Stille“ benannt, hineinsteuerte, geriet der steinerne Spiegel dieses Ozeans ins Blickfeld der Menschheit. Die britische Progrock-Band Barclay James Harvest hat 1977 der „Sea of Tranquility“ eine nachdenkliche Hymne über die Eroberung fremder Welten gewidmet, die sich sowohl auf die Navigatoren der Weltmeere als auch auf die Astro- und Kosmonauten beziehen lässt:

„Wir steuerten unser Schiff ins Meer der allumfassenden Stille
nur der Klang unserer Stimme begleitete uns,
fasziniert von den Sternen flogen wir dahin, voll der Hoffnung,
dass die Lieder, die wir singen und die Worte, die wir bringen,
nie sterben würden.

Wir richteten unseren Blick auf das Meer der allumfassenden Ruhe
Unser zweckloser Flug täuschte uns darüber hinweg
wie armselig wir doch sind, verglichen mit einem Stern.
Und das Ziel, dieser karge, steinerne Strand,
war viel zu weit entfernt.

Gestern leuchteten unsere Lieder über den Ruhm,
jedes war ein Traum über Zeitalter hinweg.
Wir verkauften unsere Seelen für sinnlosen Gewinn
und brachten unsere Ernte vergeblich nach Hause.“

Barclay James Harvest (UK): „Sea Of Tranquility“
Quelle: youtube

Navegare necesse est

Caetano Veloso: „Os Argonautas“
Quelle: youtube

2019 – das Jahr runder Jubiläen von Entdeckern und Eroberern.

Am 20.7.1969 setzt erstmals ein Mensch seinen Fuß auf den Mond, 50 Jahre später trägt die dunkle Seite des Erdtrabanten erste chinesische Schriftzeichen.

Vor 500 Jahren, am 10.8.1519 startete Fernão de Magalhães, bei uns als Magellan bekannt, bei Sevilla zur ersten Weltumseglung, die er selbst nicht vollendete, dehnte damit das portugiesische Weltreich mit all seinen dunklen Konsequenzen für die lokalen Völker aus.

„Navegare necesse est, vivere non est necesse“ – Navigieren ist eine Notwendigkeit, leben nicht. Diesen Satz, den Plutarch Pompeius Magnus zuschrieb, lässt sich dichterisch, philosophisch und metaphysisch weiterspinnen, und viele haben es getan, Fernando Pessoa und Caetano Veloso unter ihnen.

Und so setzt der Brasilianer, der 2018 auf greenbeltofsound beschlossen hat, auch wieder den Startpunkt in diesem Jahr der Argo- und Astronauten – mit dem Mondlied „Lua, Lua, Lua, Lua“ (1975) und „Os Argonautas“ (1969).

Caetano Veloso: „Lua, Lua, Lua, Lua“
Quelle: youtube