Von Asien in die Karibik II

debashish bhattacharya - hawaii to calcutta

Debashish Bhattacharya
Hawaii To Calcutta: A Tribute To Tau Moe
(Riverboat/Harmonia Mundi)

Der unermüdlich zwischen den Weltkulturen pendelnde Bengali Debashish Bhattacharya unternimmt auf seinem neuen Album eine Reise zu Ehren seines Freundes, des 2004 hochbetagt gestorbenen hawaiischen Gitarrenvirtuosen Tau Moe, einem ähnlich global geprägten Klangsuchenden. “Hawaii To Calcutta” verblüfft vor allem mit der schlüssigen Überblende zwischen der Virtuosität der indischen Slidegitarren, teils Bhattacharyas eigene Kreationen, und den völlig entspannten Aloha- und Waikiki-Melodien. Am Ende des Albums hält man die transpazifische Verzahnung der glissandierenden Verwandten für absolut selbstverständlich – auch wenn sie zuvor in der Musikhistorie nie stattgefunden hatte.

Debashish Bhattacharya: Improvisation on Hawaiian Electro Lap Steel
Quelle: youtube

 

Der Duft der Nacht

debashish bhattacharya - from dusk till dawnDebashish Bhattacharya
Slide Guitar Ragas – From Dusk Till Dawn
(Riverboat Records/Harmonia Mundi)

Kleiner Nachtrag zum Festival Musiques Sacrées in Fès letzte Woche, wo dieser Mann ein beseeltes Duokonzert mit dem Malier Ballaké Cissoko gegeben hat: „Chaturangui“ könnte das schönste Wort im indischen Kulturraum sein. Diese vier Silben klingen nicht nur reizend, sie sind auch der Name für eine der vielen Eigenkreationen des Slidegitarristen und Instrumentenerfinders Debashish Bhattacharya. Mit der 24-saitigen Neuschöpfung, aber auch mit der indischen Ukulele Anandi hat der Meister aus Kalkutta seine Ausdrucksmöglichkeiten um ein Vielfaches erweitert. Nach etlichen cross-kulturellen Experimenten, etwa mit Bob Brozman oder John McLaughlin, konzentriert er sich hier solo auf die breite Ausgestaltung von Improvisationen, die einen von der Abenddämmerung durch die tiefe Nacht bis zum Sonnenaufgang führen. Eine virtuose, große Nachtmusik.

Debashish Bhattacharya & Subharsis Bhattacharjee live at Vilnius
Quelle: youtube

Arabesque #15

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEndlich – der Regen hat das Zepter an die Musik übergeben in Fès.
Zwei herrliche Nachmittage und Abende mit seelenvollen Begegnungen zwischen Korameister Ballaké Cissoko und dem indischen Mandolinisten Debashish Bhattacharya der höfischen Stegharfenkunst Malis in zehnfacher Ausführung und der Sufipoesie der tunesischen Sängerin Sonia M’Barek. Die Schauplätze der Konzerte, teils tief in der Medina und nur für Mutige, Labyrintherfahrene zu finden (oben das Complexe Culturel Ben Youssef) sind da bei stets die heimlichen Stars.

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 Zu den Herren unten, die mir tief in der Nacht eines der fantastischsten Musikerlebenisse überhaupt beschert haben, folgt mehr.

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alle Fotos © Stefan Franzen