
Souad Massi
Zagate
(Backing Track/Galileo)
Gleicher Produzent, aber verändertes Rezept: Bereits vor vier Jahren arbeitete die Franko-Algerierin Souad Massi für das Album Sequana mit Justin Adams. Der Brite hat auch das neue Werk unter seiner Pultfuchtel, doch Zagate ist vor allem in der rhythmischen Ausgestaltung wuchtiger angelegt. Zum Intro gibt es ein Kuti-Riff, über dem sich eine heisere Schalmei erhebt, in „Congo Connection“ erhebt sich zu kantigen Gnawa-Beats die Stimme des kongolesischen Rappers Youssoupha. Ruppigen Berber-Rock gibt es im Titelstück mit viel Gitarren-Testosteron, eine zornige Anklage an alle Kriegstreiber – wie überhaupt viele der Tracks sich auf die Seite der Friedenssuchenden in einer verfinsterten Welt schlagen.
Die arabischen Färbungen kommen nicht zu kurz: Oud und Flöten sind organisch eingebettet in die Band. Ein klangliches Highlight ist der schnurrende Viola D’Amore-Sound des Tunesiers Jasser Haj Youssef in einer beeindruckenden Friedens-Rezitation des arabo-andalusischen Philosophen Ibn Ruschd. Und in ein paar stillen Momenten rekurriert Massi in ihre folkige Frühzeit, etwa mit der wunderbaren Ballade „Tili“, bevor sie im Auslauf der Scheibe zu einem galoppierenden Electro-Rock à la française ausreitet.
© Stefan Franzen