
Ralf Schmid, Pianist, Arrangeur und Dozent an der Musikhochschule Freiburg, ist für seine musikalischen Exkursionen nach Brasilien bekannt. Im Bossarenova Trio gelingt ihm das mit besonderer Raffinesse, zumal er an seiner Seite mit Paula Morelenbaum eine Sängerin hat, die noch mit Tom Jobim gearbeitet hat und mit Joo Kraus einen Trompeter, der kreative Übergänge vom Jazz zum HipHop schafft. Die neue Scheibe haben die drei nach dem portugiesischen Wort für „schweben“ benannt, und entsprechend leichtfüßig kommen einige Stücke auch daher. Wobei es selten kammermusikalisch zurückhaltend zugeht: Aus den beiden afrobrasilianischen Klassikern „Berimbau“ und „Canto De Ossanha“ wird ein funky Dancefloor-Kracher gestrickt, in „Vem Cá“ geht es noch eine Spur tighter zur Sache, fast wie mit einer souligen Bigband.
„Será“ swingt als astreiner Samba Batucada inklusive Trommelabteilung und Brummtopf. Doch die Ruhemomente funkeln auch: Das Titelstück „Levitar“ strahlt als hymnischer Traum. Und die Zärtlichkeit des Bossa Nova-Klassikers „Dindi“ wird mit gestopfter Trompete und leisem Hereinwehen eines Akkordeons neu eingekleidet. Bossarenova feiern hier einen gewieften Brückenschlag von der Bossa-Melancholie in die Ära des Samba Soul – aus transatlantischer Perspektive.
© Stefan Franzen
Bossarenova live: 18.10. FREIBURG, Jazzhaus – 20.10. LUDWIGSHAFEN, Freischwimmer – 21.10. KÖLN, Altes Pfandhaus – 23.10. HANNOVER, Jazzclub – 24.10. MINDEN, Jazzclub – 25.10. BREMEN, Sendesaal
Diese und die nächste Folge von Saint Quarantine widmen sich meiner Heimatstadt Freiburg. Nicht im bösesten Traum hätte ich gedacht, dass diese Rubrik ein Jahr lang gefüllt werden kann / muss. Doch – unter anderem – da den Entscheidungsträger*innen hierzulande ein Jahr lang Freiheitshäppchen lieber sind als wenige Wochen harter Lockdown, ist die Pandemie noch nicht bezwungen. Das macht gerade jetzt die schon lange darbende Kulturszene – neben vielen anderen Branchen – richtig kaputt.
Wenn nach wochenlanger Konzertdürre urplötzlich an allen Orten Deutschlands gleichzeitig hörenswerte Shows über die Bühne gehen, von denen man dann zwangsläufig die Hälfte verpassen muss, kann das nur eines heißen: Der Juli steht vor der Tür. Das 