
Aretha Franklin: „Won’t Be Long“
aus: Aretha (Columbia, 1961)
Damit hat für die Queen of Soul Vieles angefangen: Der Song befindet sich auf ihrem ersten Studioalbum, das sie 1960 mit der Combo des Jazzpianisten Ray Bryant einspielte. Dank intensiver Gospel-Schulung war ihre Stimme mit 18 schon unfassbar weit entwickelt, was Phrasierung und Ausdruck angeht. Alle späteren Columbia-Aufnahmen bis zu ihrem Wechsel zu Atlantic Records Ende 1966 und dem Beginn ihrer Soulkarriere können nur schwerlich mithalten mit diesen frühen Aufnahmen. Bryants Rhythm Section und die Bläser imitieren grandios einen fahrenden Zug, während Aretha selbst am gospelgeladenen Klavier sitzt und von der Ungeduld singt, mit zitternden Knien am Bahnsteig auf ihren Liebling zu warten, der mit der 503 kommen wird.
Ob die Songschreiber J. Leslie McFarland und Aaron Schroeder (die kurz zuvor „Stuck On You“ für Elvis geschrieben hatten) bei der „503“ an einen bestimmten Zug dachten oder die Nummer nur wegen des Reims verwendeten? Hier ist jedenfalls die schönste 503, die ich gefunden habe, eine Lok der Great Northern Railway Company, die in den 1960ern westlich von Chicago verkehrte.
Aretha Franklin: „Won’t be Long“ (1961)
Quelle: youtube
Und es gibt zwei sehr unterschiedliche Live-Aufnahmen von diesem frühen Meisterstück des Eisenbahn-Souls:

Wenn nach wochenlanger Konzertdürre urplötzlich an allen Orten Deutschlands gleichzeitig hörenswerte Shows über die Bühne gehen, von denen man dann zwangsläufig die Hälfte verpassen muss, kann das nur eines heißen: Der Juli steht vor der Tür. Das
Das TFF Rudolstadt ist eines der ganz wenigen Festivals, die noch konsequent die globale Musikvielfalt präsentieren, nachdem viele andere Veranstalter in unseren Breiten und Längen immer mehr auf die anglo-amerikanische Konsensschiene einschwenken (oder schon immer auf ihr gefahren sind). Die so oft beschworene Interkulturalität Deutschlands, auf den Bühnen muss man sie mit der Lupe suchen. Umso mehr freue ich mich, dass es in knapp zwei Wochen an der Saale wieder losgeht, auch wenn ich 7 Stunden Anfahrt habe. Nur im thüringischen Städtchen lassen sich zum Beispiel Künstler wie die Mauretanierin Noura Mint Seymali erleben, mit der das Label Glitterbeat seine Vorliebe für Sounds aus dem Trockengürtel Westafrika untermauert. Seymali ist die Stieftochter der großen Dame der mauretanischen Musik, Dimi Mint Abba. Auf ihrem Album „Tzenni“ werden die traditionelle Stegharfe Ardine und Spießlaute Tidinit in ein kompaktes Rocksetting gefügt, das dank der E-Gitarre vom Gatten Jeiche Ould Chighaly auch mal psychedelisch werden kann – und überraschenderweise entfaltet die melismatisch verschlungene Vokalarbeit der Frontfrau dadurch noch mehr ungezähmte Flugkraft. Allein für dieses Konzert lohnt sich die Fahrt.






























