In den letzten Jahren hat die iranische Ethnomusikologin und Kuratorin Yalda Yazdani etliche Projekte mit nahöstlichen Musikerinnen aufgegleist: Beginnend mit „Female Voices Of Iran“ porträtierte sie Künstlerinnen aus dem persischen, kurdischen und afghanischen Kulturraum in aufwendigen Dokumentarfilmen und organisierte Konzerte. Nun schlägt Yazdanis ein neues musikalisches Kapitel auf, das stilistische Barrieren überspringt. Mit dem Kölner Gürzenich-Orchester unter der Leitung der Südkoreanerin Juya Shin präsentiert sie am 26. September in der Kölner Philharmonie das Programm Female Voices Of Resilience.
Yazdani hat hierfür vorrangig iranische Sängerinnen zusammengestellt, die ihr Land verlassen haben, nachdem die Proteste infolge des Mords an Jina Mahsa Amini eine Welle an Gewalt durch das Mullah-Regime gegen die Zivilbevölkerung ausgelöst hatten. Erstmals stehen diese Frauen nun gemeinsam außerhalb des Irans auf einer Bühne. Das Konzert zeigt zugleich die vielen stilistischen und regionalen Facetten der iranischen Musik, von aserbaidschanischen und kurdischen Einflüssen über qaschqaische und belutschische Musik bis hin zu zeitgenössischen Formen.
Die Stimmen und traditionellen iranischen Instrumente des Inner Unity Ensembles mit Kamancheh, Oud und Santur treffen auf das Sinfonieorchester. Mit dabei sind Foroogh Fazli, Ghazaal Ansarirad, Mahya Hamedi, Sanam Maroufkhani, Hura Mirshekari, Maliheh Moradi, Mina Deris, Samin Ghorbani und Hani Mojtahedy. Die Arrangements haben Matthias Kaufmann und der international bekannte Jazzgitarrist Mahan Mirarab geschrieben.
Nach der erfolgreichen Erstausgabe im Frühjahr 2017 geht das Festival „Female Voice of Iran“ vom 8. bis 11. November zum zweiten Mal in der Berliner Villa Elisabeth an den Start. In Zusammenarbeit mit der Zeitgenössischen Oper Berlin hat die persische Musikologin Yalda Yazdani in vielen Regionen des Landes nach außergewöhnlichen, jungen Frauenstimmen gesucht, die jetzt an der Spree die Vielfalt des Irans auf musikalischem Wege präsentieren. Das stilistische Spektrum reicht von Klassik über Jazz und Fusion bis Folk.
Dabei ist die arabischstämmige Sängerin Mina Deris aus dem Grenzgebiet zum Irak, und mit Sahar Zibaei ist eine Vertreterin der kurdischsprechenden Metropole Kermanshah eingeladen. Turkmenische Facetten scheinen in der Vokalkunst von Jamileh Amaniyan auf, Samin Ghorbani bringt die Farben der aserbaidschanischen Grenzregion auf die Bühne, Atefeh Moghimi aus der Provinz Mazandaran im Norden. Außerdem ist mit Maedeh Tabatabaei Niya eine Stimme aus Isfahan dabei, Aida Norat, Maliheh Moradi Haghighi und Faravaz Farvardin ergänzen das Line-Up mit der Vielfalt der Szene Teherans.
Wenige Tage später, am 17.11., präsentieren sich mit Ali Ghamsari, dem Barbat Ensemble und Mohammad Reza Mortazavi männliche Vertreter des neuen Iran in einem Dreiergipfel in der Philharmonie Köln. Im Kern des Barbat Ensembles stehen die drei Brüder Mani, Nima und Pouya Khoshravesh aus der Mazandaran-Region Nordirans. Sie sind Neffen des berühmten Sängers Abolhassan Khoshroo, und sie stehen mit ihren Instrumenten, der Flöte Ney, der Langhalslaute Setar und der Spießgeige Kamancheh in einer Jahrhunderte langen Tradition. Alle drei tragen die Eigenheiten iranischer Musik aus dieser nördlichen Region in die Welt, leben seit einigen Jahren in Paris.
Die gleiche Philosophie verfolgt Ali Ghamsari: Der 34-Jährige Teheraner ist nicht nur einer der grandiosesten Virtuosen auf der Langhalslaute Tar in seiner Altersklasse, er hat durch die Gründung mehrerer neuer Ensembles und als Komponist für die persische Klassik ein Tor ins Zeitgenössische geöffnet. Seine Arbeit reicht von der mystischen Liedtradition bis zum Streichquartett, des öfteren arbeitet er auch mit der Sängerin Haleh Seyfizadeh zusammen.
Ali Ghamsari & Haleh Seyfizadeh live, Female Voice of Iran 2017
Quelle: youtube
Mohammad Reza Mortazavi schließlich setzt den eigenwilligsten Akzent auf diesen Gipfel der iranischen Jugend: Der Schlagwerker, dem vom ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“ „die schnellsten Hände der Welt attestiert wurden, hat für Rahmen- und Bechertrommeln dutzendweise neue Schlag- und Fingertechniken eingeführt, schafft mit seinem Spiel eine polyphone, bilderreiche Trommelsprache mit Pop-Appeal.
Im Sommer 2019 werden noch mehr Facetten dieser Aufbruchsgeneration der persischen Musik in Deutschland zu erleben sein: Beim Rudolstadt Festival vom 4. bis 7.7. heißt der Länderschwerpunkt dann Iran.