Weltreise in der Provence

Klangvolle Tage und Nächte in Arles.

Während bei uns die Fenster zur Welt auf den Sommerfestivals immer kleiner, teils sogar geschlossen werden – eine beunruhigende Entwicklung gerade in der gegenwärtigen politischen Klimakatastrophe – setzt die große Kulturnation Frankreich weiterhin auf denkbar größte Offenheit.

Zum Beispiel beim Festival Les Suds: Dort hat man den Luxus, neben etlichen kleinen Plätzen und Gärten in der Stadt ein antikes römisches Theater zu bespielen. Und das gab es unter anderem zu entdecken: Marokkanische Berbergesänge über tunesischen Beats mit Aïta Mon Amour, abgelöst durch den Raï-Star Sofiane Saidi, der die algerisch-französische Schauspielerin und Sängerin Camélia Jordana einlud.

Der kommende Star der Música Popular Brasileira, Mari Froes aus Goiás mit ihrem sanften Alt und gezügeltem Akustik-Samba, gefolgt von Malis Vorkämpferin für Frauenrechte, Fatoumata Diawara, die mit ihrer selbstdesignten Epiphone-Gitarre eine knackige Rock-Show leider in einem „Imagine“- und „No Woman No Cry“-Medley enden ließ.

Irre madagassisch-französische Polyrhythmik mit Bobo & Behaja und ein zur Gospelpredigt mutiertes Interview mit dem Jazzsaxophonisten Jowee Omicil. Das iranisch-libanesisch-albanische Trio L’Antidote zwischen Tradition und pianistischem Neoklassik-Klanggewitter und den Perkussionskünsten von Bijan Chemirani. Und schließlich der 84-jährige katalanische Gamben-Altmeister Jordi Savall, der in dieser traumhaften Kulisse mit dem Ensemble Hesperion XXI seine musikalische Stadtgeschichte Istanbuls ertönen ließ. Einige Fotoeindrücke.

alle Fotos © Stefan Franzen

Radiotipp: Ibn Battuta – Prinz der Reisenden


SWR2 Musikstunde
13. – 17.08.2018 –  09h05 – 10h00

Ibn Battuta – Prinz der Reisenden
Musikalische Spuren zwischen Marokko und China

In der muslimischen Welt gilt er als „Prinz der Reisenden“. Zwischen 1325 und 1354 hat Ibn Battuta 120.000 Kilometer zurückgelegt, weit mehr als Marco Polo ein paar Jahrzehnte zuvor. In der SWR 2 Musikstunde begebe ich mich auf die Spuren des marokkanischen Berbers. Auf verschlungenen Routen entdecken wir die fesselnde Weltgeschichte des frühen 14. Jahrhunderts und eine unglaubliche Vielfalt von Klangkulturen auf drei Kontinenten: zwischen Marokko und der Krim, zwischen der Sahara und China, zwischen Andalusien, Samarkand und Sansibar. Das Rihla, Ibn Battutas genauso fantastischer wie scharfsinniger Reisebericht ist dabei immer im Gepäck.

Mo, 13.08. – Teil 1: Von Tanger nach Damaskus
Di, 14.08 – Teil 2: Von Mekka bis Sansibar
Mi, 15.08. – Teil 3: Von Anatolien bis Kabul
Do, 16.08. – Teil 4: Von Delhi nach Tawalisi
Fr, 17.08. – Teil 5: Vom Perlfluss bis Timbuktu

Auch der katalanische Musikreisende Jordi Savall hat sich mit Ibn Battuta beschäftigt – er wird den Auftakt zu meinen Sendungen bilden.

Jordi Savall über Ibn Battuta
Quelle: youtube