
Seit 36 Jahren eine feste Adresse für unerhörte Klänge: Das Festival Neue Musik Rümlingen lotet aus, was passiert, wenn Landschaft und Musik im Miteinander tönen, wenn Topographie auf Akustik trifft und sie sich durchwirken. In diesem Jahr war das Gebiet um die Orte Langenbruck und Reigoldswil im Kanton Baselland (Be-)Spielplatz. Am zweiten der drei Tage unternahm der Musiker- und Publikumstross eine Klangwanderung namens „Transit“ von Reigoldswil hinauf zum Chellenchöpfli und wieder hinunter nach Langenbruck. Mit dabei Bläser und Schlagwerker der Basler Sinfonietta.

Schon beim Einschweben mit der Gondel umfingen einen mit den Seilbahnpfeilern dialogisierende „Beep Devices“. Für „La Montaña de los Presentes“ ließ Komponist Fernando Manassero Musiker auf dem Hang postieren, die sich über weite Strecken mit Liegetönen und Signalphrasen „zuriefen“. Das quietschende Viehgatter nahm dabei eine ungeplante (!?) synkopische Funktion ein.


Mit einem auf der Wiese installierten Memento Mori für die Zugvögel erinnerte Lukas Berchtold an die ökologischen Herausforderungen unserer Ära.

Alexandre Babel verfolgte mit „Time Up/Side Down“ auf der Gipfelweide eine ähnliche Philosophie wie Manassero und ließ Musiker in einer 360-Grad-Aufstellung über Funkuhr agieren. Heranholen konnte man sich die weit auseinandertönenden Klänge mit Fabrizio Di Salvos 3D-Drucker-Kopfhörern aus Zuckerstärke, Maismehl und Holz mit beweglichen Ohrmuscheln.





Ane Marthe Sørlien Holen ließ Sound Creatures wie Fabelwesen durch den dunklen Tann tollen, während Sasha Katsalap auf einer Lichtung ihre Klangstab-Installation „Cratylus“ schimmern ließ.


Am Ende warteten Paul Ragaz und Johanna Hämmerli an einem Bachlauf mit einem Duo aus Drehorgel und Kontrabassflöte auf, dass sich rauschhaft profund in die Senke einfügte.

Fotos: Stefan Franzen, Markus Kurz, Manuel Braun