Shnamistoflopp’n

kate bush snowFoto: Public Domain

Es war ihr Jahr – mit einer Serie von 22 Konzerten im Londoner Hammersmith Apollo setzte sie ihrer 35-jährigen Live-Abstinenz ein Ende. Etwas Grandioseres als Before The Dawn gab es in diesem Konzertjahr nicht.  Die drei magischsten Winterstücke von Kate Bush aus drei unterschiedlichen Schaffensphasen.


3. „Under Ice“ (1985)

Die verhängnisvollen Folgen eines Schlittschuhlaufs – und der Beginn des Alptraums „The Ninth Wave“. Ich kann die Bühnenversion auf DVD nicht erwarten.

„Under Ice“
Quelle: dailymotion

2. „50 Words For Snow“ (2011)
Das Titelstück aus ihrem letzten Studioalbum – musikalisch ein eigenartiger Fremdkörper, textlich grotesk: Der Comedian Stephen Fry rezitiert 50 Neologismen über die weiße Pracht aus Bushs Feder. Shnamistoflopp’n – Whippocino – Zhivagodamarbletash.

„50 Words For Snow“
Quelle: youtube


1. „December Will be Magic Again“ (1979)

Der Klassiker. Teil eines Weihnachtspecials, das von der BBC ausgestrahlt wurde und noch einen Tick mehr Sleigh Bells-Kitsch verströmt als die Singleversion mit Band.

„December Will Be Magic Again“
Quelle: youtube

Schatzkiste #13: Serotonin aus Washington

terry huff - the lonely oneTerry Huff & Special Delivery:
The Lonely One
(Mainstream Records, 1976)

entdeckt bei: Second Hands Records, Stuttgart

Ein bisschen paradox ist es schon: Ich kenne kaum eine Soulplatte, die soviel Glücksgefühle erzeugt, und doch geht es in allen Texten um Schiffbruch in der Liebe. Mr. Huff ist ein Falsettmonster aus Washington D.C., der es locker mit Smokey Robinson aufnehmen kann.  Hyperventilierende Streicher, Frühlingswiesen-Oboen, Harfengirlanden – und dazu der  hymnische Countertenor: Was will man mehr? Die akustische Gitarre vom Cover ist übrigens reines Zierwerk, ich hab‘ sie bisher nicht rausgehört.

Terry Huff & Special Delivery: „That’s When Love Hurts“
Quelle: youtube

Ein Fenster nach Beirut

tania saleh - a few imagesTania Saleh: A Few Images
(Kirkelig Kulturverksted/Indigo)

Sie wird dem libanesischen Underground zugerechnet, aber das passt nicht. Tania Saleh (sprich: saa-läch) ist wohl eine der feinfühligsten Poetinnen und Beobachterinnen der ganzen arabischen Welt, schreibt aus zutiefst weiblicher Perspektive empfindsame und selbstbewusste Songs, mal mit Rock-, mal mit Chansonanklängen. Einige werden vielleicht ihren Titelsong aus Nadine Labakis Film „Caramel“ kennen. Auf ihrem neuen Album vermählt sie arabische Melismen mit Bossa Nova-Harmonik und -Rhythmik. Richtig unter die Haut geht mir der Opener „Beirut Windows“, zusammen mit dem wunderbaren Clip ein Porträt der libanesischen Hauptstadt, wie sie kein Stadtführer zeichnen kann.

Tania Saleh: Beirut Windows
Quelle: youtube

 

Crooner der gebrochenen Herzen


Er stand im Schatten seines jüngeren Bruders David und hatte nie einen Nummer 1-Hit bei Motown. Doch sein „What Becomes Of The Brokenhearted“ ist eine Soul-Ballade, die jeden, der mal an einem gebrochenen Herzen gelitten hat, tief berühren muss.

R.I.P. Jimmy Ruffin

Jimmy Ruffin: „What Becomes Of The Broken Hearted“
Quelle: youtube

Side Tracks #3: A Trane In The Bush Of Ghosts

accra trane station - another blue trainflagge-ghana-flagge-button-50x92Accra Trane Station: Another Blue Train
(VoxLox, 2007)
Vielleicht der verrückteste „Side Track“ in meinem Archiv: Zwei Ghananer und ein Amerikaner improvisieren sehr free und lautmalerisch über eine nächtliche Zugfahrt von der ghanaischen Hauptstadt Accra nach Kumasi und Takoradi. Dort verkehrte einst der legendäre Blue Train, der afrikanische Bruder zu Coltranes blauem Zug. Dem huldigt Nortey hier auch unüberhörbar mit seinen Afrifonen, Zwittern aus Sax und afrikanischen Blasinstrumenten, dazu kommt jede Menge ratternd-scheppernde Percussion und ein Rhythmusbox-Bass. Die Reise ist pure Nostalgie: In Ghana fährt heute nur noch ein maroder Vorortzug zwischen Accra und Nwasam, die legendäre Blue Train-Linie ist stillgelegt. Danke an Nancy für diese rare Perle der tönenden Eisenbahnliteratur.

Schatzkiste #12: Pfau von der Leine

jorge ben - solta o pavaoJorge Ben: Solta O Pavão 
(Philips, 1975)

entdeckt bei: L.O. Motta Discos, Copacabana, Rio (heute offensichtlich nicht mehr existent)

Im September 2005 geriet ich zufällig in eine Gafieira im Norden von Rio de Janeiro. So heißen die Tanzveranstaltungen, bei denen sich Leute zwischen 20 und 50 zu funkigen Sambasounds auf der Tanzfläche drehen. Da legte der DJ einen Track von Jorge Ben auf, der mir sofort in die Glieder fuhr. Ich belagerte das Pult und wollte wissen, von welcher Scheibe er kam. „Se Segura Malandro“ stammt vom 13. Album des Sambasoul-Mestres – und für die restliche Zeit meines Brasilienaufenthalts war ich auf der Jagd nach der Scheibe.  An einem verregneten Nachmittag habe ich die Platte dann an der Copacabana im muffigen Geruch von Tropenpilzen aus dem Antiquariats-Paradies L.O. Motta Discos gefummelt. Der Titel „Lass den Pfau von der Leine“ spielt in der typisch mystischen Art von Ben darauf an, dass man die innere Schönheit in die sichtbare Sphäre entlassen soll.  Ein geradezu folkiges, unglaublich leichtfüßiges Glanzlicht aus der Sambasoul-Ära.

Jorge Ben: „Se Segura Malandro“ (Drumagick Remix)
Quelle: youtube

The Last Gig In The Sky

pink floyd the endless riverPink Floyd
The Endless River

Mitten in dieser 54-minütigen Abschiedssymphonie tritt er plötzlich ganz unvorhergesehen hervor: Rick Wright sitzt an der großen Pfeifenorgel der Royal Albert Hall und in diesem einen Moment scheint es tatsächlich, als spiele er da seine eigene Totenmesse. Als Requiem auf den und Versöhnung mit dem 2008 verstorbenen Keyboarder wollten Dave Gilmour und Nick Mason dieses wohl letzte Pink Floyd-Album inszenieren. Dafür haben sie die Archive der Aufnahmen zu The Divison Bell (1994) durchkämmt, viele Stunden Ausschussmaterial zu 18 „neuen“ Stücken in vier Sektionen zusammengesetzt.  Doch The Endless River ist eher ein Abgesang auf die Bandversion der Siebziger geworden. Weiterlesen

Eklektizismus ist eine Tugend

meshell ndegeocelloMeshell Ndegeocello
Kaserne Basel 04/11/14

Klein, kurzgeschoren, dicke rote Brille – und über der rechten Hand ein dunkles, flächiges Tattoo, so dass man meint, sie hätte eine Art abgesägten Handschuh an. Nichts passt hier in die Muster der „schönen schwarzen Sängerin“, genauso wenig ihr komplexer Name (Swahili für „frei wie ein Vogel“) und am allerwenigsten ihre Musik. Doch der Abend in der leider nicht gefüllten Kaserne Basel wird lange in Erinnerung bleiben, auch wenn sie kaum mit ihrem Publikum reden mochte. Weiterlesen