Wolkenmädchen

lianne-la-havasFoto: okayplayer.com

2013 erzählte sie mir im Interview, sie arbeite mit Prince, wollte aber nichts Genaues verraten. Seit wenigen Tagen ist nun mit der Geheimniskrämerei vorbei. Dass das Teamwork von Lianne La Havas und Mr. Nelson in eine so pure, himmeljauchzende Schönheit münden würde, wie mit der Single „Clouds“ – hätte ich nicht erwartet. Zumal ich mit dem Herrn über Paisley Park öfters Probleme hatte.  Diese paar Minuten aber möchte ich derzeit auf Endlosschleife hören.

Prince feat. Lianne La Havas: „Clouds“
Quelle: musicplayon

Ich bin gespannt, ob sich Minneapolis bei London revanchieren wird, dann, wenn das neue Album der griechisch-jamaikanischen Songstress erscheinen wird. Unterdessen geizt Miss La Havas noch mit neuem Material, covert lieber Radiohead und Little Dragon. Mal vor Leuten, mal vor Kühen.

Lianne La Havas live at Glastonbury 2013: „Weird Fishes“
Quelle: youtube
Lianne La Havas, Barn Sessions: „Twice“
Quelle: youtube

Freiburg – Bloemfontein – NY

Ralf Schmid & Daniel Hope
A Distant Drum

Zu einer spannenden Zusammenarbeit treffen sich ab kommenden Mittwoch der Freiburger Jazzprofessor Ralf Schmid und der Weltklasseviolinist Daniel Hope. Schmid hat zu einem Libretto von Hopes Vater Christopher eine Partitur für ein Musiktheater geschrieben, das nach Proben und Vorpremiere im südafrikanischen Bloemfontein am 28.10. in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt wird. Im Zweipersonen-Stück geht es um das Schicksal des Journalisten Nat Nakasa, der wie Christopher Hope während der Zeit der Apartheid seine Heimat verlassen musste. Regie führt der bekannte Schauspieler Jerry Mofokeng. Schmids Komposition für das fünfköpfige Ensemble umfasst klassische Themen, jazzige Improvisation und das Spiel mit Versatzstücken südafrikanischer Chor-Traditionen. Im Ensemble kann er neben Daniel Hope auf den Cellisten Vincent Ségal und den Schlagzeuger Jason Marsalis bauen.

Das atemraubende Klangtheater der Kate Bush – I

hammersmith apollo

Foto: Stefan Franzen

Before The Dawn
Hammersmith Apollo London, 17/09/14

Wer dabei war, reibt sich immer noch ungläubig Augen und Ohren. Nach 35 Jahren intensivem Fremdeln mit den Bühnenbrettern ist Kate Bush ins Rampenlicht zurückgekehrt. Mit einem Gesamtkunstwerk, das sämtliche Kolleginnen ihres Alters und wesentlich jüngerer Jahrgänge auf die Plätze verweist. Kate Bushs Before The Dawn war eine Offenbarung, wie auch noch in der digitalen Ära Popmusik aus dem Theater befruchtet werden kann. Weiterlesen

Das atemraubende Klangtheater der Kate Bush – II

kb before the dawn

The Ninth Wave
Maritime Schauermär

Er könnte Maßstäbe für alle Kollegen setzen, die sich vom digital durchgestylten Zirkus absetzen wollen: der Zweite Akt aus Kate Bushs Show Before The Dawn.  Die genialste Suite der Popgeschichte überhaupt – endlich hat sie zu ihrer wahren Bestimmung gefunden. Weiterlesen

Das atemraubende Klangtheater der Kate Bush – III

aerial

A Sky Of Honey
Das pastorale Gegengift

Der letzte Akt in Kate Bush phänomenaler Bühnenshow Before The Dawn: 24 Stunden in der englischen Countryside, ein Ohrenschmaus für Ornithologen. Pan lässt grüßen. Und als Zugabe die größte Wetterhymne aller Zeiten. Weiterlesen

ELO: Knusperraumschiff über London

stage moonalle Fotos: Stefan Franzen

Jeff Lynne’s ELO
Hyde Park London, 14/09/14

Surreales Poptheater: 13 Jahre nach einer gescheiterten Tournee ist Jeff Lynne mit den alten Hits seines Electric Light Orchestras auf die Bühne zurückgekehrt, mitsamt symphonischer Streicherriege. Die Kulisse: Ein Sommerabend im Hyde Park vor 50.000 Menschen.
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Schatzkiste #10: Verstimmte Soul Symphony

skip mahoaney the casuals - funny moods
Skip Mahoaney and The Casuals: Your Funny Moods 
(D.C. International Records, 1974)

entdeckt bei: Honest Jon’s Records, Portobello Road, London

Ich habe so ein paar Soul-Alben, auf denen in puncto Satzgesang und Gitarre die Intonation zu wünschen übrig lässt. In den meisten Fällen frage ich mich, ob es nicht Absicht ist, denn diese leichte Unschärfe kann durchaus einen ganz eigenen Charme hervorrufen.  Das ist auch bei der Begleitcombo von Skip Mahoaney der Fall.  Die Falsettstimme des Leaders (wie so oft: Irreführung durch ein Lady-Cover…) und ein Erzählen mit großer Geste zu einem fast spartanisch eingesetzten Streicherapparat (auch der etwas windschief) malen hier eine ungewöhnliche Low-Fi- Soulsymphonie. Die zwischendrin mal funky aufgelockert wird.

 Skip Mahoaney & The Casuals: „I Need Your Love“
Quelle: youtube

Schatzkiste #9: Funkenflug aus Lagos

peter king - miliki sound

Peter King: Miliki Sound 
(Tackle Records, 1975; reissue Mr. Bongo, 2013)

entdeckt bei: Soul Brother Records, Putney, London

Ein gesegneter Multiinstrumentalist! Tenor- und Sopransax, Flöte, Piano, Violine, Percussion und Gesang erledigt Mr. King im Alleingang. Unterstützung holt er sich nur noch von einer minimalen Horn Section. Der Nigerianer ist einer jener, die das Schicksal haben, bis heute im Schatten des großen Landsmanns Fela Kuti zu stehen. King pflegt einen fulminant funkigen Afrojazz-Sound, angereichert mit Roots aus Highlife und Juju. Allein schon für das grandiose Cover hat sich die Überquerung der Themse nach Putney gelohnt.

Peter King: „Jo Jolo“
Quelle: youtube

Journey into the Otherworld

heliocentrics

The Heliocentrics feat. Melvin van Peebles:
The Last Transmission

Ein Gespräch mit Bassist Jake Ferguson

Die Heliocentrics: ein großartiges Kollektiv aus London, das sich für seine Teamworks stets verschrobene Eminenzen aussucht. Den äthiopischen Altmeister Mulatu Astatke, den Ethno-Pionier Lloyd Miller oder die nigerianische Legende Orlando Julius. Ihre Musik pendelt sich ein zwischen Psychedelia, Spiritual Jazz, Afrofunk und musique concrète. Auf ihrem neuesten Werk „The Last Transmission“ (Now Again/Rough Trade) starten sie mit Blaxploitation-Hexer und Spoken Word-Artist Melvin van Peebles ins All. Ich habe den Bassisten Jake Ferguson an der Wirkstätte der Band getroffen.  Weiterlesen

Delikates von der Rive Gauche

marcio faraco - cajueiro

Márcio Faraco: Cajueiro (World Village/Harmonia Mundi)
Man sollte nie versuchen, die Cashewnuss, die ja eigentlich im Stiel der Cajú-Frucht eingeschlossen ist, im rohen Zustand zu knabbern. Am nächsten Tag könnte man mit Lollo Ferrari-Lippen rumlaufen – hier spricht jemand aus leidvoller Erfahrung. Márcio Faraco hat wohl keine schmerzhaften Erinnerungen an den Cashewbaum, denn er widmet ihm gleich seine ganze neue Platte, als Sinnbild für die reichen Verzweigungen in der brasilianischen Musik aus einem festen Stamm.  Er selbst ist als Exilant in Paris ein grandioser „Branch-Off“ dieses Baumes. Delikater denn je tönt hier seine Stimme, in einem ganz eigenen kleinen Universum aus Bossa, nordestinischer Musik und Chanson.

Márcio Faraco: „Paris“
Quelle: youtube