Westafrika-Achse

Mandé Sila nennt sich das neue Akustikprojekt rund um den malischen Songwriter-Star Habib Koité. Er wird dabei begleitet vom „magischen Balafon“ Aly Keïta (Elfenbeinküste) und von Lamine Cissokho (Senegal) an der Kora. Diese drei Fahnenträger der westafrikanischen Musiktraditionen kommen zusammen, um Mandé Sila zu feiern und die Geschichte des Mandingo-Reiches zu erzählen, das die Sprachen, Kulturen, Musik und die ganze Vielfalt und den musikalischen Reichtum Westafrikas symbolisiert.

Habib Koité, einer der beliebtesten und bekanntesten Musiker Westafrikas, ist ein moderner Troubadour, der durch seine Musikalität, sein Charisma und seine große Großzügigkeit auf der Bühne begeistert. Seine 30-jährige Karriere mit mehr als 2000 Konzerten weltweit zeugt davon. Koité war einer der ersten, der die Musik vieler Ethnien Malis aufgegriffen und zu einem neuen pan-malischen Stil verknüpft hat.

Der Kora-Spieler Lamine Cissokho stammt aus einer berühmten Familie von Griots und definiert seine Musik dank seiner zahlreichen Begegnungen als einen Schmelztiegel afrikanischer, orientalischer und jazziger Einflüsse. Er spielt regelmäßig mit dem Blueser Eric Bibb.

Aly Keïta, Gewinner des deutschen Creole-Preises, ist weltweit bekannt für seine Meisterschaft auf dem Balafon, seine beeindruckende Virtuosität und seinen einzigartigen Klang, sowohl in der traditionellen Musik als auch im Jazz. Dort hast er beispielsweise mit Joe Zawinul, Trilok Gurtu und Paolo Fresu gearbeitet.

Begleitet wird das Trio von Habib Koités langjährigem Perkussionisten Mama Koné aus Mali. Drei virtuose Künstler, verbunden durch dasselbe kulturelle Erbe; ein Schmelztiegel, der ihre Kompositionen inspiriert und die Erneuerung des Genres sublimiert.

live: 4.2. Jazzhaus Freiburg (20h)
7.2. Moods Zürich (20h30)
8.2. Tollhaus Karlsruhe (20h)

Mandé Sila: „Benkan“
Quelle: Bandcamp

Aufbruch der Dogon

Petit Goro
Dogon-Blues from Mali
(Trikont/Indigo)

Mali ist ja nun wahrlich keine unbekannte Variable in den Weltmusikgleichungen der letzten 30 Jahre. Trotzdem birgt das Land der vielen Ethnien immer noch Überraschungen. Die Musik der Dogon im Südosten galt mit ihren unergründlichen Mythen als bisher eher unzugänglich, als Ressort der Feldforscher und Völkerkundler, die stundenlange Doku-Filme über sie gedreht haben. Mit Petit Goro hat sich in den letzten Jahren aber ein Vertreter der Dogon aus auf den Weg nach Bamako gemacht, um die rituelle Musik seines Volkes in einen Bandkontext zu übertragen – und die Kultur, die von Dschihadisten gepiesackt wird, vor dem Untergang zu bewahren.

Das Album Dogon-Blues From Mali ist das Resultat. Auf den ersten Höreindruck klingen die zehn Tracks mit ihrer fünftönigen Struktur nach einer Kreuzung aus Wassoulou-Musik, Wüstenblues und frühen Habib Koité-Songs, allerdings sind die Rhythmen erheblich widerspenstiger, geradezu „stotternd“. Dazu tritt der fremde Klang der Dogon-Sprache. Die Vocals besitzen eine eigenartige, unreine Melancholie, in den schnelleren Stücken haben sie einen Hauch beschwörenden Charakters. Eine wie durch eine alte Telefonleitung schnarrende Fiedel schleicht sich hinein, sie ergeht sich auch mal im flinken Pizzicato. Schließlich treibt eine unorthodoxe, sehr synkopische Gitarrenarbeit quer, die sich mit dem harten Bass verbündet.

Eine dornenreiche, trockene, nichts beschönigende Savannen-Musik, so schroff wie die Abbruchkante der Felsen, an denen die Dogon siedeln. In diesem Sommer ist Petit Goro unter anderem beim Rudolstadt Festival zu erleben.

© Stefan Franzen

Petit Goro: „Gnonwon“
Quelle: youtube