Arabesque #16

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Inmitten der Arabesken eine Romaneske.

Schon die alten Römer wussten, dass die Umgebung des heutigen Fès und Meknès eine der fruchtbarsten Marokkos ist. Inmitten von Olivenhainen und wuchtigen Zypressen lassen sich die Überreste ihrer damaligen Stadt Volubilis mit Capitol, Basilika, Forum, breiter Prachtstraße und vielen Patriziervillen besichtigen. Den endgültigen ruinösen Garaus hat diesen alten Steinen erst das berühmte Lissabonner Erdbeben von 1755 gemacht.

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Am meisten Spaß macht es hier, sich die teil prächtig erhaltenen Mosaikböden anzuschauen.
Meine Lieblinge: Der Rückwärtsritt im „Haus des Akrobaten“ und die badende Diana, die vom Jäger Acteon beobachtet wird. Zur Strafe dafür wachsen im Hörner.

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Einen – weiten – Steinwurf entfernt von Volubilis: Moulay Idriss, dessen weiße Häuser spektakulär an einem kleinen Berg kleben. Wer fünf Mal hierhin pilgert, kann sich die Reise nach Mekka sparen. Grund: Der Gründer der ersten richtigen marokkanischen Dynastie, zugleich Ururenkel von Mohammed, ist hier begraben. Die Aussicht auf diese pittoreske Stätte kostete 5 kleine Mandelkuchen.
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OLYMPUS DIGITAL CAMERAalle Fotos © Stefan Franzen

 

Arabesque #15

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEndlich – der Regen hat das Zepter an die Musik übergeben in Fès.
Zwei herrliche Nachmittage und Abende mit seelenvollen Begegnungen zwischen Korameister Ballaké Cissoko und dem indischen Mandolinisten Debashish Bhattacharya der höfischen Stegharfenkunst Malis in zehnfacher Ausführung und der Sufipoesie der tunesischen Sängerin Sonia M’Barek. Die Schauplätze der Konzerte, teils tief in der Medina und nur für Mutige, Labyrintherfahrene zu finden (oben das Complexe Culturel Ben Youssef) sind da bei stets die heimlichen Stars.

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 Zu den Herren unten, die mir tief in der Nacht eines der fantastischsten Musikerlebenisse überhaupt beschert haben, folgt mehr.

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alle Fotos © Stefan Franzen

Arabesque #14

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin zweiter Besuch in der Medina, diesmal mit offizieller Führung. Doch so „offiziell“ sie auch sein mag, es führt kein Weg um die Verkaufsstuben der Berberteppichhändler, Weber und Gerber herum. Dass ich – überrascht ob dieser geballten Shopping-Offensive – die Wirtschaft der Altstadt dennoch nur mit einem schönen Leinenschal angekurbelt habe, kommt mir schon fast schäbig vor.

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Mitgenommen habe ich außerdem Eindrücke (in der Reihenfolge ihres fotografischen Auftretens) von der Koranschule Bou Inania, der ehemaligen Karavanserai Nejjarine, einer Stoffauktion, dem Mausoleum des Stadtgründers Moulay Idriss II., den Chaouwara-Gerbereien und dem Schrein von Sidi Ahmed Tijani, Vater des Tijaniyya-Sufi-Ordens.

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Was die Musik angeht, eigentlicher Grund meines Besuchs hier: Untenstehendes Bild vom Auftritt der schottischen Sängerin Julie Fowlis spiegelt die Hilflosigkeit der Festivalveranstalter gegenüber dem Regen fast liebenswürdig wider. Die Abendkonzerte wurden ob der Fluten – in der Herberge stand das Wasser knöchelhoch – abgesagt. Wie heißt es so schön bei Katastrophenmeldungen: Und für morgen ist neuer Regen vorhergesagt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAalle Fotos © Stefan Franzen

 

Arabesque #13

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Abendrot über den Zinnen von Fès (inklusive unheimlicher Flugobjekte) mag darüber hinwegtäuschen. Doch ein mittelprächtiger Regenschauer von 45 Minuten hat das Festival kräftig durcheinander gewirbelt zu einer ganz besonderen Arabeske.

Nicht, dass Regen in Fès im Mai etwas völlig Absonderliches wäre, man hätte damit rechnen können. Aber man wollte es offensichtlich nicht. Der Schirm des Königshauses konnte da auch nichts mehr ausrichten. Und so musste im Garten des Batha-Museums das kurdische Payiz Ensemble mit seinen kostbaren Instrumenten wie die begossenen Pudel im Schauer spielen, während sich ihr Publikum – zu großen Teilen steinalte Franzosen – unter die Arkaden retten durfte. Unter großem Geklapper räumte man während des Konzerts die königlich roten Polsterstühle weg.

Das war in der großen Bab Makina-Arena nicht mehr gelungen. Nachdem das Publikum nach einer Stunde Wartens vor den Toren im Presswurstverfahren EInlass erhielt, musste es feststellen, dass auch royaler Plüsch sich nachhaltig vollsaugt. Pech für die schicken Abendroben der Damen und die schnieken Bügelfaltenhosen der Herren. Pech auch für den Journalisten, dessen dicker Stadtplan von Fès nur ein paar Minuten Distanz zwischen kühlem Nass und Sitzfleisch aufrecht erhielt.

Doch davon hätte es heute Abend viel mehr gebraucht. Denn zwischen 21h (offizieller Konzertstart) und 22h15 hörte man dem Soundcheck des tunesischen Stars Saber Rebai zu, der sich nicht merklich weiterentwickelte. Auch von einer angekündigten Fusion zwischen Bretonen und Marokkanern kein Tönchen.

Mit durchweichter Rückansicht und Geduld sowie sehr wenigen Takten Musik kommt der Reisende so zu einer unverhofft frühen Nachtruhe.

Das Foto des Tages gebührt den tapferen Kurden.
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Arabesque #12

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVerloren in der Medina.

Freitagnachmittags ist eine gute Zeit, um die Medina von Fès zu erkunden. Die Läden sind geschlossen, mann weilt in der Moschee, ohne allzu viel Behelligung lässt es sich durch die verlassenen, abschüssigen Gassen streifen. Doch es gibt eben auch nicht viele Menschen, die einem aus dem Labyrinth wieder heraushelfen.

Sich eine Stunde lang ganz bewusst zu verirren in diesem größten Gewirr der islamischen Welt mit seinen gelben Trutzmauern (die dritte Medinafarbe nach Marrakech Lehmrot und Essaouiras Weiß) gleicht noch einem Abenteuer, ab der zweiten Stunde wird es mühsam.

19km Umfang hat dieser alte Teil von Fès angeblich, im Herzstück die Kairaouine-Moschee, in der 20.000 Gläubige Platz finden.
Die unmittelbare Wirkung dieser gigantischen Mausefalle ist eher beunruhigend denn faszinierend, starke Benzin- und Uringerüche umwehen den Verirrten, ab und an trifft man mal auf einen Schuhmacher oder einen Naschwarenhändler, die ihre Pforten nicht geschlossen haben, kichernde Mädchen, Fußball spielende Jungs. Selbst die dicken Regentropfen am Schluss der mäandernden Wanderung finden hier nur vereinzelt hinein.

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 alle Fotos © Stefan Franzen

 

 

Arabesque #11

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Ein wahrhaft majestätischer Auftakt des Festivals Musiques Sacrées in Fès:

Unter Anwesenheit der Königsgattin, Prinzessin Lalla Salma, ging soeben das Eröffnungsspektakel „Fès, à la quête de l’Afrique“ zu Ende. Auf den Spuren des 16. Jahrhundert-Geographen Hassan Wazan (Léon L’Africain), Sohn der Stadt Fès, zelebrierten 100 Musiker das Flechtwerk der arabischen Welt mit Schwarzafrika.

Eine schillernde Route von der arabo-andalusischen Tradition Nordmarokkos über die Berberklänge im Süden des Landes, hinein in die Sahara, mit den Griots von Timbuktu dem Niger entlang bis in den Senegal, wo die Löwen zum Beat der Sabas tanzten. Fast ein bisschen überambitioniert und akademisch in Szene gesetzt, aber zweifelsohne ein Spektakel für alle Sinne mit einem heimlichen Hauptdarsteller: dem großen Tor Bab Makina, das als funkelnde Landkarte und Kulisse diente.

Einige Impressionen – aufgenommen von den besten Plätzen, die man bei diesem royal beschirmten Ereignis der internationalen Presse zugestanden hat.

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 alle Fotos © Stefan Franzen

 

Arabesque #9

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEigentlich müsste es heute „Berberesque“ heißen.

Die zweifache Überquerung des Hohen Atlas ist ein Erlebnis für sich. Dichter Nebel auf der Nordseite, Steinwüste auf der Passhöhe und kochende Hitze im Süden – dazu ein Faltenwurf, der jedem Geologen Tränen der Rührung ins Gesicht treibt.

Und am Ende wartet Aït Ben Haddou – ein Ksar, also Berberdorf mit majestätischen Wohnburgen, den Kasbahs, die so gerne gerockt werden. Durch diese Tore – denen man künstliche aus Kulissenplastik beigefügt hat – sind schon Lawrence von Arabien und Ridley Scotts „Gladiator“ geschritten. Wer höckerlings nach Timbuktu weiter möchte: 52 Tage dauert es von hier, wo demnächst definitiv die Sahara übernimmt, noch bis zur sagenumwobenen malischen Stadt.

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Die 13 Stunden im Kleinbus haben ihren Tribut gefordert – leicht übermüdet und vom Geflecht der Muezzinrufe betört sinkt der Reisende ermattet auf sein plüschiges, mit Moschus- und Ambraduft benetztes Lager und ist gespannt auf Fès.

Untige Chaiselongue übrigens ist leider mitnichten meine Behausung, sondern die Kulisse zu „Alyssa, Gattin des Pharaonen“ im Filmmuseum von Ouarzazate.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAalle Fotos © Stefan Franzen