SRF 2 Passage Musik als Refugium – ein Porträt des iranischen Musikers Kayhan Kalhor Freitag, 10.10.2025, 20h
Er ist ein herausragender Botschafter der persischen Kultur auf der ganzen Welt. Mit seinem Instrument, der Stachelgeige Kamancheh, hat der iranische Kurde Kayhan Kalhor der Menschlichkeit und Völkerverständigung eine sensible Stimme gegeben.
Kalhor engagiert sich in seiner Arbeit für die Zusammenarbeit von Musikerinnen und Musikern verschiedenster Herkunft, knüpft Kontakte zwischen persischer Tradition, westlicher Klassik und Weltmusik. Im Gespräch zeichnet er seinen Weg nach: vom Wunderkind im Iran über seine vielen internationalen Teamworks – darunter das Silk Road Project von Yo-Yo Ma – bis zu seiner politisch bedingten Odyssee zwischen New York und Teheran. Ein Künstler, der zum Spielball der Ideologien wurde, aber unbeirrt seine Vision verfolgt.
Anlässlich der Uraufführung seiner Komposition „Venus In The Mirror“ habe ich Kayhan Kalhor im Sommer in Hamburg getroffen. SRF 2 Kultur sendet in der Reihe Passage am Freitag, den 10.10.2025 ab 20h mein Porträt über Kayhan Kalhor. Nach der Ausstrahlung steht die Sendung zum Nachhören auf der SRF 2 Kultur-Seite zur Verfügung (auch in der Nichtschweiz).
Viel Spaß beim Hören wünscht
Euer Stefan
Kayhan Kalhor, Yo-Yo Ma & NDR Elbphilharmonie Orchester: „Venus In The Mirror“ (Trailer)
Quelle: youtube
Wenn es um einen Kontrabass ging, der grenzüberschreitend und global unterwegs war, dann gab es im UK seit den 1960ern eine Persönlichkeit, die unangefochten an der Spitze stand: Danny Thompson. Sein 160 Jahre alter Bass trug auch einen Namen, liebevoll nannte Thompson die auf Hunderten von Aufnahmen zu hörende viersaitige Lady „Victoria“. Am 23. September ist der Musiker im Alter von 86 Jahren im südenglischen Rickmansworth gestorben.
Danny Thompson war in den 1960ern bereits Mitglied bei Alexis Korners Blues Incorporated, beim Tubby Hayes Quartet, spielte mit Ginger Baker und John McLaughlin. Ein einziges Mal griff er zum E-Bass, als Roy Orbison ihn 1963 für eine Tour verpflichtete, auf der die Beatles den Support Act gaben. 1968 steuerte er den Bass zu Cliff Richards Grand Prix-Beitrag „Congratulations“ bei. International bekannt wurde er als Gründer der Band Pentangle an der Seite der Gitarristen John Renbourn und Bert Jansch, ab 1967 verband die Gruppe britische Folkmusik mit Blues, Jazz und Barock-Anleihen. Ihr gehörte er bis 1973 an und war auf der stilbildenden LP-Quadrologie „The Pentangle“, „Sweet Child“, „Basket Of Light“ und „Cruel Sister“ mit von der Partie. In den Achtzigern und nochmals für eine Reunion 2008 kehrte er zurück zu Pentangle. Im Folk spielte er außerdem mit dem Sänger und Gitarristen John Martyn, mit dem Folkblues-Innovator Davey Graham, der Incredible String Band sowie mit den Songwritern Nick Drake, seinem – nicht verwandten – Namensvetter Richard Thompson (Fairport Convention) und der Grande Dame des englischen Folksongs, June Tabor.
Einige Ausflüge machte Thompson auch in den Pop: 1982 und 85 steuerte er Basslinien für Kate Bushs Alben „The Dreaming“ und „Hounds Of Love“ bei, stand in Diensten bei Talk Talk und David Sylvian. Erst 1987 erschien mit „Whatever“ sein erstes Soloalbum. Wenig später offenbarte er in mehreren Kollaborationen sein Faible für globale Klänge. Diese Facette seiner Karriere begann mit dem Projekt Songhai, in dem der malische Kora-Virtuose Toumani Diabaté und die spanische Flamencogruppe Ketama über seinen melodischen Basslinien zusammenfanden. Thompson spielte mit der chilenischen Formation Incantation und arbeitete in Dizrhythmia mit dem indischen Perkussionisten Pandit Dinesh. Seine weltumspannende Perspektive hatte auch Einfluss auf seine Tongebung im Britfolk, wie etwa die Tracks „Hopdance“ oder „Basket Of Eggs“ verraten.
Mit Danny Thompson geht ein Großer der scheuklappenlosen englischen Folkszene, der sein warmes und virtuoses Bass-Spiel stets in den Dienst des Songs gestellt hat. Kate Bush schrieb in ihrem Nachruf: „Man hat nie nur mit Danny gearbeitet, sondern auch mit seinem Kontrabass Victoria. Zusammen waren sie die faszinierendsten Geschichtenerzähler – erdig und wild. Danny war der süßeste, liebste Mann und ein echter Charakter. Ein seltener und besonderer Schatz. Danke, Danny, dass ihr, du und Victoria, Feuer und Flamme wart für die Arbeit. Ich werde dich so sehr vermissen.“
Spagat zwischen Klassik und Indie-Pop:
Der PhilClub.Freiburg startet mit dem Kanadier Owen Pallett in die neue Saison.
Februar 2017 in Toronto: Kanada feiert seinen 150. Geburtstag mit einer Konzertserie namens „Canada Mosaic“, in der sich Klassik und Popkultur durchwirken. Einer der Höhepunkte: Der heutige Dirigent des Philharmonischen Orchesters Freiburg, André de Ridder, leitet das Toronto Symphony Orchestra im Zyklus „Songs From An Island“ für Bariton und Orchester von Owen Pallett. Das Torontoer Publikum, altersmäßig gut durchmischt, ist begeistert von den Liedern in einem englisch-spätromantischen Ton. 2020 arbeitet Pallett die Lieder für seine eigene sanfte, empfindsame Stimme zu einem in Teilen symphonischen Indie-Pop-Album um, das ein wenig folky, bekennend lyrisch, manchmal geradezu träumerisch tönt. „Wenn Owen Songs schreibt, dann gehen die durch sehr viele Metamorphosen und Arrangements“, so Freiburgs GMD. „Wir versuchen im Phil Club jetzt, die Versionen vom Album wiederzugeben. Er selbst wird Gitarre spielen, und für die drei Stücke mit Schlagzeug hat er sich Andi Haberl von The Notwist gewünscht.“ Doch wer ist Owen Pallett, dessen Name dem Klassik-Publikum und auch Pop-Affinen hier wenig vertraut sein dürfte?
Pallett und De Ridders eigene Band Stargaze fanden seit zwölf Jahren mehrfach zusammen, etwa bei der Ruhrtriennale oder im Berliner Berghain. Der 46jährige Kanadier hat eine klassische Ausbildung und ist heute als Filmmusiker gut im Geschäft. Er trat als einer der Kreativköpfe der Montrealer Alternative-Pop-Bubble um die Band Arcade Fire in Erscheinung, arrangierte die Stücke der Weltstars und war als Geiger auch mit ihnen auf Tour. Parallel veröffentlicht er Konzeptalben, für deren Geschichten er Alter Egos entwirft, so auch auf dem fünften und bislang letzten „Island“. „Er sieht selbst, dass er in der Musikszene nirgendwo so richtig reinpasst und eigentlich eine Insel ist“, sagt de Ridder. „Mit dem schönen Titel ‚Lewis get‘s fucked into space‘ verabschiedet er sich von seinem bisherigen zweiten Ich, das er Lewis nannte. Das Werk ist auch eine Identitätsfindung für ihn“.
Der Auftakt-Abend zur neuen Phil Club-Saison bringt eine neue Variation in die beliebte Reihe. Die Aufführung eines ganzen Albums verdichtet das bisher eher Intermezzo-hafte Teamwork von Orchester und den Gästen aus der Popwelt. Und strahlt bezugsreich in die Saison aus, wie de Ridder verrät: „Im April wollen wir zum 40jährigen Jubiläum ‚The Colour Of Spring‘ von Talk Talk auch in Gesamtlänge spielen, mit Chören, inklusive Kinderchor und Blockflöten. Wir nutzen also die verschiedenen Ensembles des Theaters für ein wunderbares spartenübergreifendes Projekt.“ Bezüge gibt es noch mehr: Vor Palletts „Island“ erklingen im Phil Club die „Shaker Loops“ von John Adams, dessen Oper „Doctor Atomic“ im November Theaterpremiere hat. Und mit Jonny Greenwood von Radiohead ist im ersten Symphoniekonzert ein weiterer Popschaffender mit Filmmusik im Programm.
Anglophone Durchlässigkeit ist also erneut spür- und hörbar, gemäß der Liebe de Ridders zur „Crossgenre“-Philosophie: „Die deutsche Klassik-Szene ist sehr vom Solistentum geprägt, man neigt dazu, sich zu separieren. In Kanada und den USA setzt man auf Kollaborationen, auf Offenheit und Respekt gegenüber anderen Genres, das begünstigt Dinge, die sonst nie entstehen würden.“ Der GMD hat beobachtet: Freiburg zeigt sich aufgeweckt genug für diese Perspektive. Ob sie auch nach seinem Weggang weitergepflegt wird? „Die neue Intendanz ist dafür sehr empfänglich, weil sie selbst spartenübergreifend arbeitet. Aber natürlich muss man meiner Nachfolge den Raum geben, vielleicht wieder ein völlig neues Konzept mitzubringen.“
dieser Blog wird heute 11 Jahre alt.
Herzlichen Dank an alle, die mir die ganze oder Teile der Wegstrecke gefolgt sind, auch in den letzten beiden Jahren, die nicht einfach für mich waren.
Zum 11. Geburtstag von greenbeltofsound.de durfte ich zufälligerweise im Rahmen des Festivals Soundcity Freiburg im legendären Freiburger Plattenladen Flight 13 lesen und auflegen.
Eine sehr schöne Erfahrung, weil das nette, aufmerksame, und trotz Sauwetters zahlreich erschienene Publikum perfekt durchmischt war mit jungen und älteren Semestern.
Mir hat es großen Spaß gemacht, ein dickes Dankeschön an Danny Neumann für die rührende Organisation, gerne wieder!
Ich freue mich sehr, dass das Festival #SOUNDCITYFREIBURG mich eingeladen hat, mein Buch Ohren auf Weltreise in einem ganz neuen Kontext vorzustellen.
Am Samstag, den 4.10.2025 werde ich ab 16h im legendären Plattenladen Flight 13 in der Stühlingerstr. 15 aus dem Buch lesen, dieses Mal begleitet von ausgesuchten Vinyl-Einspielungen aus aller Welt. Der Eintritt ist frei!
Kommt vorbei und versäumt es nicht, die ca. 20 anderen sehr hörens- und besuchenswerten Programmpunkte von SOUNDCITY abzuchecken.
Wien bringt derzeit viele erstaunliche Bands hervor, unter ihnen sticht das Quartett Elsa um Sängerin Elsa Steixner nochmals mit einer eigenen Klangsprache heraus. Elsa eröffnen das Jazzfestival Freiburg, und veröffentlichen die neue CD Jump! auf dem Freiburger Label Jazzhaus Records. Mit Sängerin und Bandchefin Elsa Steixner habe ich vorab gesprochen.
Elsa Steixner, wie kommt eine Band aus der Weltstadt Wien auf ein Label im beschaulichen Freiburg?
Elsa Steixner: Wien ist zwar eine Weltstadt, aber Österreich doch überschaubar. Wir haben uns ein bisschen umgeschaut und gesehen, dass auf Jazzhaus Records Acts von überall her im Boot sind, und wir dachten uns, das ist ein guter Anker, um die internationale Arbeit aufrechtzuerhalten und gleichzeitig auf Deutsch mit unserem Label kommunizieren zu können.
Sie haben im holländischen Arnhem Jazzgesang studiert, dort auch einige der Bandmitglieder kennengelernt. Wollten Sie Jazzmusikerin werden, oder war die Jazzausbildung von Beginn an nur als Rüstzeug gedacht?
Steixner: Da ich nicht aus einer Musikerfamilie komme, war für mich Musizieren immer etwas sehr Impulsives und Intuitives. Ich habe gemerkt, ich muss mir einen Rahmen schaffen und einen Austausch mit anderen Menschen, deswegen wollte ich studieren. Vom Jazz war ich fasziniert, seit ich zwölf war. Ich dachte am Anfang des Studiums, irgendwann werde ich imstande sein, über jede beliebige Form zu improvisieren. Bis ich dann sehr in sehr kurzer Zeit darauf gekommen, dass das überhaupt nicht mein Ziel ist, die beste Scat-Queen oder so etwas zu werden. Arnhem kam mir entgegen, weil an der dortigen Uni die individuelle künstlerische Entfaltung sehr im Fokus steht. Sie fragen dich: Was willst du eigentlich mit dir machen, regen dich an, eigene Musik zu schreiben.
Ihre Songs, und vor allem die Färbung ihrer Stimme klingen ja auch oftmals eher nach Soul als nach Jazz, an anderen Stellen haben sie viel mit Folk zu tun.
Steixner: Ja, vom Soul komme ich eigentlich her. Etta James, Aretha Franklin, Ray Charles haben mich schon vor Ella Fitzgerald fasziniert, und dann habe ich Nina Simone entdeckt, für die ich bis heute eine ungebrochene Liebe habe. Sie könnte darüber singen, dass sie zum Supermarkt geht, und ich wäre trotzdem total bei ihr. Auf der anderen Seite habe ich immer mehr Zugang zu Joni Mitchell gefunden. Was mich an ihr so überzeugt, ist, dass sie vom Folk kommt, und dann auf jedem Album Neues ausprobiert, sich nie hat einsperren lassen. Immer wieder mit allem zu brechen, das schaffen nicht viele Musiker.
Viele Ihrer Songs haben eine überraschende Struktur, die vom herkömmlichen Schema mit Strophe, Bridge und Refrain weggeht. Auch die Dynamik wird gerne ausgereizt: Oft wird man von er sehr extrovertierten Stimmung in etwas Träumerisches zurückgeworfen, oder umgekehrt.
Steixner: Lustigerweise ist es überhaupt kein Anspruch von mir, so zu schreiben, ich finde Strophe, Bridge, Refrain super. Aber ich habe in vielen Songs ungeplant eine ganze Lifetime untergebracht. Und das Spannendste im Leben ist ja auch Dynamik, das Dasein besteht aus Kontrasten. Dann haben wir in der Band gemerkt: Wow, die Hälfte der Songs auf dem Album hat eigentlich keine klassische Songstruktur. Aber das wir nichts bewusst Angestrebtes, ich bin keine Konzept-Schreiberin.
Würden Sie sagen, im Sound von Elsa steckt auch irgendwas Wienerisches auch drin?
Er verknüpft die Klänge des Mittelmeers und des Nahen Ostens mit der Alten Musik und dem Barock, stellt Jazz, Weltmusik und Klassik auf Ohrenhöhe nebeneinander. Nun hat der Franko-Katalane Renaud García-Fons mit Blue Maqam ein Album veröffentlicht, auf dem er erstmals die menschliche Stimme neben seinem Bass zulässt, in Gestalt seiner Tochter Soleá.
Anlass, Renaud García-Fons‘ Karriere noch einmal Revue passieren zu lassen, und dann vor allem die Werke der letzten Jahre in den Fokus zu stellen. In der Reihe JazzFacts im Deutschlandfunk könnt ihr am Donnerstag, den 18.09.2025 ab 21h mein Porträt des Bassisten hören.
Renaud García-Fons: Blue Maqam – Le Concert (Trailer)
Quelle: youtube
Die libanesische Singer/Songwriterin, Designerin und bildende Künstlerin Tania Saleh geht mit Fragile in ein schmerzhaftes Kapitel biographischer Bewältigung. Die Explosionen im Beiruter Hafen von 2020 haben ihre Existenz vernichtet, sie lebt nun im Pariser Exil. Das Album, musikalisch geschmackvoll zwischen arabischem Lied, Popsong und Bossa pendelnd, ist mit Piano, Oud, Klarinette, Flöte, dezenten Beats und Samples sanft ausgestaltet. Die Texte legen die Finger in die Wunden einer Exilanten, die sich fragt, ob die Menschheit ihrer Selbstvernichtung noch entkommen kann und will – und jeder der Clips zu den Songs ist ein kleines Meisterwerk. Anspieltipp sind das flüchtig dahinfliegende „Hashara“ und das wehmutsvolle „Matrah“.
Ein Japaner studierte indische und afghanische Musik in Paris: Das ist der ungewöhnliche biographische Hintergrund des Japanistan Trios mit seinem Kopf Kengo Saito. Douce Errance spiegelt die erstaunliche Begegnung wider: Die fernöstliche Bambusflöte Shakuhachi entfaltet ihre schweifende Melancholie zu den dornigen Riffs der Schalenhalslaute Rubâb. Mal verliert man sich in einem freien, Zen-artigen Gemälde wie „Fuyu No Hikari“, dann wieder weht orientalische Süße in „Amar Amar“ hinein. Die persische Tombak und Daf passen die Gegenpole in ordnende Beats ein, treten auch mal wirbelnd hervor. Und zum Ende eine etwas staksige, aber dennoch entdeckenswerte Adaption einer Bach‘schen Polonaise.
Wenn es um die Erneuerung der Innerschweizer Geigentradition geht, ist der Nidwaldner Musiker Andreas Gabriel Dreh- und Angelpunkt. Mit dem Trio Ambäck hat er an der Seite von Schwyzerörgeli-Spieler Markus Flückiger und Bassist Pirmin Huber ein viertes Album vorgelegt, das die aus der Innerschweiz heraus entwickelte, moderne Volksmusiksprache noch einmal verfeinert hat.
Über den „Wolkenbödeler“ habe ich mich mit Andreas Gabriel in Luzern unterhalten. SRF 2 Kultur strahlt in der Sendung Jazz & World aktuell am 2.9.2025 ab 20h meinen Beitrag aus.
Kokoroko Tuff Times Never Last (Brownswood Recordings)
Santrofi Making Moves (Outhere/Indigo)
Vom bislang gepflegten Afrobeat krass auf Distanz geht dagegen das Londoner Septett Kokoroko auf seinem zweiten Werk. Tuff Times Never Last verführt gleich am Anfang in „Never Lost“ mit sommerlich-souliger, entspannter Süße im Bläsersatz. „Closer To Me“ könnte fast aus der Werkstatt von Brasil-Sunnyboy Marcos Valle kommen, plus einem Spritzer Neo-R&B. In „My Father In Heaven“ grüßt die Balladenharmonik von Stevie Wonder. Afrobeat-Atem strömt noch aus „Three Piece Suit“, wird aber durchs sanfte Falsett des Nigerianers Azekel sehr gemildert, und auf die Vocals in „Just Can’t Wait“, die mit smoothen Slap-Bass-Läufen und gluckernden Gitarrenriffs garniert sind, könnte Smokey Robinson neidisch werden. Eine großartige Platte, auf der sich goldenes Sonnenlicht von London über Lagos bis nach Rio und Detroit wölbt.
Ghanas Highlife-Innovatoren Santrofi bleiben mit Making Moves auf Kurs, das „Nationalgenre“ ihres Landes zu modernisieren. Das tönt ganz unterschiedlich: Einmal schwelgen sie in der leicht melancholischen Palmwine-Musik, tunen sie aber ein paar Geschwindigkeitsumdrehungen hoch („Su Nkwa“). Dann wieder brechen sie einen lässigen Afro-Disco-Funk vom Zaun, der sich auf die Reime eines Kinderspiels beruft („Gyae Me How“). Und mit Hip Hop-Sensibilität geht es in das Titelstück, das mit junger Unterstützung aus der Rap-Ecke gewürzt wird. Traumhaft schön ist auch der süffige Bläsersatz, der sich mit der Patina der 1960er ummantelt. Diese Jungs setzen ein markantes Signal gegen die Synthetisierung afrikanischer Popmusik.