Schatzkiste #2: Schwüle Streicherorgien

el coco  - dancing in paradise

El Coco: Dancing In Paradise 
(AVI, 1978)

entdeckt bei: Flashback Records Islington

Zugegeben, ihr Name ist komplett unsexy. Doch was das Produzentenpaar Laurin Rinder und W. Michael Lewis in den Siebzigern unter dem Moniker „El Coco“ fabrizierte, gehört zu den glitzerndsten Sternstunden der Disco-Ära.  Ich jedenfalls kenne wenige Streicherarrangements, die diese hier an Schwülität übersteigen, allein der achteinhalbminütige Track „Afrodesia“ bringt einen ganzen Wald voll Glitzerkugeln zum Glühen.  Ganz zu schweigen von den drübergelegten Bläserschichten. Ein weiteres Projekt der beiden Disco-Masterminds hieß übrigens „Le Pamplemousse“. Hmm, vielleicht mache ich doch noch meine auf die lange Bank geschobene CD-Kompilation mit „Soul Strings“.

El Coco: „Afrodesia“
Quelle: youtube

Schatzkiste #1: Nicht Finne, nicht Schwede

laulau koti-ikävästä

Various Artists: OST Laulu Koti-Ikävästä 
(Kaiho Records, 2013)

entdeckt beim finnischen Händler des Vertrauens

Da geht man zu einem Filmfestival – in diesem Falle die Nordischen Filmtage in Lübeck – und dann entdeckt man Musik, über die man sonst nie gestolpert wäre.  Gezeigt wurde dort der Streifen Laulu Koti-Ikävästä (Finnish Blood, Swedish Heart) von Mika Ronkainen – ein Vater-Sohn-Roadmovie und zugleich eine bewegende Geschichte über finnische Arbeitsimmigranten. Was den Film allerdings so besonders macht, ist der Soundtrack: Gespreizt zwischen Finnentango und Rockabilly wird hier die Sechziger- und Siebzigerjahre-Atmo des hohen Nordens genauso stilecht wie melancholisch heraufbeschworen.  Stars dieser ungewöhnlichen Vintage-Revue sind die Musiker des Månskensorkestern (Mondscheinorchester).

Markus Fagervall & Månskensorkestern: „Alla Slussenin Siltojen“
Quelle: youtube

 

Walisisches Wunderwerk

9bach - tincian9bach: Tincian (RealWorld/Indigo)
Von Peter Gabriels RealWorld Studios liegt Wales überhaupt nicht weit entfernt. Trotzdem haben sich seine Talentscouter selten (oder nie?) dahin gewagt. Bis jetzt. Lange habe ich nach einem Begriff für die Musik von Lisa Jen und Martin Hoyland alias 9bach gesucht, „Industrial-Kammerpop“ ist es dann geworden. Sangliche Piano- und Fender Rhodes-Riffs, metallene Harfenschnipsel, geheimnisvoll bluesige Akustik- und sperrige Stromgitarren, ein pathetisch summender Männerchor. Der Albumtitel bedeutet „Nachhall“ – und den werden diese Tracks bei mir noch lange haben.

9bach: „Pa Le?“ (live at Ochor Un)
Quelle: youtube

Archaik der Neuzeit

levon eskenian

Gurdjieff und Komitas – die beiden Säulen armenischer Musiktradition. Ein Gespräch mit Levon Eskenian


Levon Eskenian ist ein führender Kopf in der Bewahrung und Neuentdeckung armenischer Musik. Der Leiter des Gurdjieff Folk Instruments Ensembles hat die Pianomusik des spirituellen Lehrers Georges I. Gurdjieff auf alte Instrumente zurück übertragen. Sein nächstes Projekt befasst sich mit der Musik von Komitas, dem Begründer der modernen klassischen Musik Armeniens. Im Juli habe ich Eskenian beim TFF Rudolstadt getroffen.
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